Yosemite Nationalpark

Nachahmen heißt einen Mangel an Originalität eingestehen – und das ist der Ursprung der Inkompetenz.~W. Neilson

(Dieser Bericht schließt an unseren Halt am Mono Lake an.)

Tenaya Lake

Kaum saßen wir wieder im Auto, wuchs die Vorfreude auf Yosemite. Wir fuhren ein paar Meilen zurück und bogen in Richtung Parkeinfahrt ab, die wir schnell erreichten. Eine wahnsinnig lange Fahrzeugschlange war vor uns zu erkennen. Glücklicherweise stand vor der Einfahrt, an der das Ticket zu lösen ist, ein Ranger, der jeden am Häuschen vorbeilotste, der einen Annual Pass vorweisen konnte. Wir durften also auch entgegen der Fahrtrichtung links am Häuschen vorbeifahren und waren im Yosemite Nationalpark. Der erste Halt sollte am Tenaya Lake sein. Bis wir dort waren, dauerte es allerdings eine Weile. An sämtlichen Möglichkeiten, für eine kurze Pause anzuhalten, standen dermaßen viele Autos geparkt, daß wir darauf verzichten mußten. Und aufgrund der extrem vielen Fahrzeuge dauerte es eben auch ein wenig. Als wir jedoch am Tenaya Lake ankamen, bot sich uns das gleiche Bild: Sämtliche Parkmöglichkeiten waren erschöpft. Ca. hundert Meter weiter entdeckten wir jedoch genügend Platz, um unser Wohnmobil abstellen zu können. Ich packte meine Kamera und wir spazierten am Ufer des Sees wieder zurück. Östlich am Tenaya Lake befindet sich ein kleiner Strand, zu dem wir gingen und ein wenig die grandiose Aussicht auf die Felsformationen um uns herum genossen.

Olmsted Point

Irgendwann kehrten wir zum Wohnmobil zurück und setzten unsere Fahrt bis zum Olmsted Point, der sich ca. 4 km entfernt befindet, fort. Dort wollten wir erneut anhalten und über die Felsen kraxeln, um einen atemberaubenden Blick ins Tal und auf den Half Dome zu haben. Als alle Fotos im Kasten waren und wir uns sattgesehen hatten, starteten wir den Motor erneut.

Fotowert: 5 out of 5 stars (5 / 5)

In der Folgezeit schlängelte sich die Straße bergauf und bergab entlang der Felsen bis zu einer Tankstelle, die wir nutzten, um für $50 nachzutanken. Im letzten Ort vor dem Nationalpark wollte man $4.99 pro Gallone haben, was uns eindeutig zu teuer war. Jetzt war die Tanknadel aber mittlerweile unter die Hälfte gesunken und aufgrund des Programms und des Streckenverlaufs schien uns das Tanken angebracht. Zudem kostete die Gallone hier erstaunlicherweise “nur” $4.59.

Die weitere Route führte ins Yosemite Valley, wobei es unmittelbar neben der Straße stellenweise steil bergab ging. Jetzt bloß kein Fahrfehler! Schön zu fahren war es insgesamt im Nationalpark jedenfalls nicht. Wir wollten am Visitor Center anhalten. Auf dem Weg dorthin waren die Zufahrtstraßen verstopft, links und rechts waren sie gesäumt von Spaziergängern und Wanderern. Am Visitor Center selber suchten wir nach einem freien Parkplatz. Es schien hier mehr los zu sein, als im Phantasialand. Entlang der Straßen war alles zugeparkt und auch auf den Parkplätzen war nicht ein freies Stück Asphalt mehr zu sehen. Beziehungsweise war es für uns noch komplizierter, denn an jedem Parkplatz stand, daß Trailer und RV dort nicht parken dürften, aber eine Beschilderung, wo sie es können, fehlte gänzlich. Und so irrten wir durch den Wald und mußten irgendwann die vom Ranger erhaltene Map zur Hand nehmen. Wir fanden immerhin den Weg weg vom Visitor Center und Richtung Campgrounds, von denen es im Valley vier Stück gibt. Ein Schild “Campground Reservation” schien uns zielführend, so daß ich den dort liegenden Parkplatz anfuhr. Hier bot sich das gleiche Bild (also voller Parkplatz und massenhaft Menschen). Am Schalter, an dem wir vorbeifuhren, standen die Leute ebenfalls Schlange. Als wir einen halbwegs vernünftigen Abstellort für’s Wohnmobil gefunden hatten, konnten wir uns selber anstellen. Die Schautafel wies allerdings bereits sämtliche im Valley befindlichen Campgrounds als “full” aus. Bei einigen anderen Campingplätzen sollte es vielleicht noch freie Plätze geben. Ein wenig ratlos standen wir nun da. Wie sollte es weitergehen?

Wir beratschlagten die Möglichkeiten. Wir könnten uns hier anstellen und darauf hoffen, daß evtl. noch irgendwo im Valley ein Stellplatz frei werden würde. Problem daran: Das könnte dauern und wenn wir Pech hätten, müßten wir den ganzen Weg im Dunkeln zurückfahren. Und den Weg im Dunkeln? Nein, danke! Zweite Möglichkeit: Einen der eventuell freien Campgrounds anfahren. Dritte Möglichkeit: Komplett wieder raus aus dem Nationalpark, bevor es dunkel wird. Bis zum Sonnenuntergang hatten wir noch etwas mehr als zwei Stunden. Wir schlenderten enttäuscht zurück zum Wohnmobil. Zwei oder drei Nächte wollten wir hier verbringen und jetzt sollte es keine sein?!

Der Meilenzähler im Wohnmobil zeigte bereits 145 gefahrene Meilen an, als wir den Motor wieder anließen. Die Stimmung war nicht unbedingt so feierlich wie Weihnachten oder ausgelassen wie zu Karneval, sondern eher das komplette Gegenteil. Die Sonne hatte zwar für wesentlich mehr als die 12 Grad vom frühen Morgen gesorgt, aber im Wohnmobil herrschte gerade Eiseskälte. Natürlich konnte niemand etwas dafür und das ist eben das Los, wenn man nirgendwo reserviert. Aber trotzdem waren wir enttäuscht, weil wir uns so auf den Yosemite Nationalpark gefreut hatten. Wir hatten zwar immerhin schon einen kleinen Teil der Schönheit sehen können, aber das war uns nicht genug. Auf der Fahrt bis zur Tankstelle, bei der es 16 Meilen fast nur bergauf ging, starrten wir beide aus dem Fenster. Meine Frau wahrscheinlich ins Nichts, ich aber auf die Straße. Natürlich gab es im Valley keinen Internetempfang, so daß wir es old school angehen mußten. Google Maps hatte zwar noch unsere Position, aber eine richtige Route wurde nicht mehr angezeigt. Also Straßenkarte raus und Blick darauf werfen. Das Pulverfaß Wohnmobil stand kurz vor der Explosion, was man daran merken konnte, daß meine Frau ihr Smartphone in die Mittelkonsole warf und ich die Straßenkarte ebenfalls, nachdem wir uns nicht auf die gleiche Strecke einigen konnten. Lustigerweise hatten wir uns zwar beide für die gleiche Route entschieden, es aber so umständlich ausgedrückt, daß es so endete, wie geschildert.

Die Route, die wir uns ausgesucht hatten, war die westliche. Wir wollten also nicht auf gleichem Weg zurück, sondern auf die andere Seite des Nationalparks. Das Fernziel Lake Tahoe war zu weit entfernt, als daß wir es heute noch erreichen wollten. Als wir zwischendurch Handy-Empfang hatten, wurden 2:54 Stunden angezeigt – für 114 Meilen. Da konnte ich mir schon vorstellen, wie der Streckenverlauf war (nämlich kurvenartig bergauf und -ab). Die Ausfahrt aus dem Yosemite Nationalpark hatten wir schnell erreicht. Trotzdem hatte ich im Stanislaus Forest immer das Gefühl, daß es nur bergauf gehen würde. Wenn man nach rechts oder links aus dem Fenster schaute, konnte man die verkohlten Bäume der Waldbrände sehen. Als dann die Serpentinen anfingen und man teilweise nicht schneller als 15 mph fahren konnte, nervte es so langsam. Meine Frau mußte ihre Übelkeit unterdrücken und insgesamt lagen die Nerven wieder blank. Ich hatte langsam keinen Bock mehr, weil die Kurven einfach nicht aufhörten. Irgendwann kamen die ersten Ortschaften und uns war klar, daß wir uns so langsam einen RV Park suchen sollten…

Fotowert: 5 out of 5 stars (5 / 5)

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