Leipzig im Juni 2022

Ein Foto wird meistens nur angeschaut – selten schaut man in es hinein.~Ansel Adams

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Leipzig wollte ich von Freitag bis Sonntag besuchen und dazu lediglich meinen Fotorucksack und sonst nichts mitnehmen. Die Wechselkleidung (also zwei Unterhosen, zwei Paar Socken und zwei T-Shirts) paßte ebenfalls noch in den Rucksack.

Vorbereitungen

Zugfahrt

Die Tickets für die Deutsche Bahn habe ich knapp zwei Wochen vorher gekauft. Die Hinfahrt sollte mich in der 1. Klasse von Köln aus zum Frankfurter Flughafen führen und von da aus weiter nach Leipzig. Der Gesamtpreis betrug 199,80 Euro.

Hotel

Als Hotel suchte ich mir nach den positiven Erfahrungen (günstiger Preis, günstige Lage) in Berlin wieder ein Motel One aus. Leipzig hat drei Stück davon und ich entschied mich für das gegenüber der Nikolaikirche, also wirklich zentral. Für zwei Übernachtungen bezahlte ich 238 Euro.

Hotspots

Analog zu meinem Beitrag “Wie plant man einen Tagestrip?” ging ich auch die Suche nach den Hotspots an. Ich hatte mir im Vorfeld natürlich schon grob Gedanken und eine (imaginäre) Liste gemacht, so daß ich abschätzen könnte, daß man mein Pensum wohl in zwei Tagen schaffen könnte. Mein Plan sah vor, daß ich nach der Ankunft in Leipzig um 12:24 Uhr direkt durch die Stadt laufen wollte, denn ins Hotel konnte ich erst ab 15 Uhr. Der gesamte Samstag stand zur Verfügung und bis zur Rückfahrt am Sonntag um 11:33 Uhr war ja nach dem Aufstehen auch noch mindestens eine Stunde Zeit, um noch den einen Fotospot in der Innenstadt mitzunehmen, den ich vorher nicht geschafft hatte. Um es vorwegzunehmen: Am Sonntag mußte ich nichts mehr fotografieren, weil ich tatsächlich alles freitags und samstags gesehen und abgelichtet hatte.

Da ich mich für Zeitgeschichte interessiere, durften die “Runde Ecke” und das Zeitgeschichtliche Forum natürlich nicht fehlen. Zudem stehen eigentlich immer die jeweiligen Fußballstadien auf meiner Agenda und Leipzig hat derer drei, wobei ich zumindest die Heimspielstätte von RB Leipzig sehen wollte, die sich im ehemaligen Zentralstadion befindet. Die weiteren Fotospots suchte ich mir wie immer aus Wikipedia, einschlägigen Reiseberichten und Instagram zusammen. Da ich bei der Planung schon vorhatte, das entstandene Dokument hier auf der Seite zum Download anzubieten, durften dieses Mal keine urheberrechtlich geschützten Bilder und daher auch keine Kartenausschnitte von Google den Weg ins Roadbook finden. Das war aber total unproblematisch.

Ich bastelte mir wieder eine kleine Übersichtskarte und gruppierte meine Hotspots in der Reihenfolge, wie man sie auch ablaufen kann. Alle Spots packte ich ebenfalls wieder auf meine Karte auf HERE We Go, damit ich sie auf dem Handy verfügbar hatte. Leider ist die App seit einem der letzten Updates nicht mehr wirklich komfortabel. Früher konnte man einen besuchten Hotspot in der App entfernen und hatte so immer den genauen Überblick, was man sich noch ansehen wollte bzw. wo man noch nicht war. Das Entfernen klappt aber leider nicht mehr. Ich habe auch bereits zweimal den Support kontaktiert, aber irgendwie verstehen die mein Problem nicht. Trotzdem ist es keine Option, einen anderen Anbieter zu suchen, denn ich habe sämtliche Hotspots der Welt in verschiedenen Sammlungen auf HERE We Go eingetragen und da wäre der Aufwand zu groß, die alle zu übertragen. Momentan lebe ich halt mit dem Problem und muß den Überblick behalten.

Das fertige Dokument druckte ich mir wie gewohnt aus, ließ es dieses Mal aber nicht binden, sondern nahm es so mit. Hier kannst Du es downloaden:

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Freitag, 10.06.2022

Die Hinfahrt mit der Bahn verlief unspektakulär, beide Züge waren pünktlich, so daß ich tatsächlich um ca. 12:30 Uhr in Leipzig ankam. Nachdem ich Europas größten Kopfbahnhof verlassen hatte, ging ich zunächst zum Gründungsort des Deutschen Fußballbundes. Am entsprechenden Haus hängt lediglich eine Tafel zur Erinnerung. Dummerweise habe ich die Tafel nicht fotografiert. Anschließend ging ich zum Augustusplatz und schlenderte über den dortigen Markt. Dabei hatte ich das Opernhaus im Rücken und das Gewandhaus vor mir. Vorbei am Uniriesen, den mittlerweile der MDR benutzt, war ich schon am südlichen Ende der Innenstadt bzw. des Innenstadtrings angekommen. Leipzig war doch noch kleiner, als ich gedacht hatte. Also nutzte ich die Gelegenheit und ging zum Bundesverwaltungsgericht und auf dem Rückweg am Neuen Rathaus vorbei, ehe ich schon wieder mittendrin war. Ich lief schnurstracks auf die Thomaskirche zu und ging hinein. Es fanden irgendwelche Arbeiten für ein Veranstaltung statt, die es schwer machten, das Grab von Johann Sebastian Bach abzulichten, aber es ist mir trotzdem gelungen. Eintritt mußte ich entgegen meiner Recherchen keinen zahlen.

Auf meinem Weg entdeckte ich die Mädler-Passage, in der sich Auerbachs Keller befindet. Hier ließ sich Johann Wolfgang von Goethe zu einem Werk inspirieren, von dem ich heute noch einige Zeilen auswendig kann: “Ich bin der Geist, der stets verneint. Und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht. Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.” und “Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust”. Wer sich zu Schulzeiten ebenfalls mit diesem bedeutenden Werk der deutschen Literatur auseinandersetzen durfte, wird bereits erkannt haben, um welches Werk es sich handelt. Allen anderen sei gesagt: Es handelt sich um Faust. Ich bin allerdings nicht in das Lokal gegangen, sondern anschließend weiter.

Am Markt mit dem Alten Rathaus war es wirklich rappelvoll. Das lag an der zeitgleich stattfinden Veranstaltung zu Ehren von Johann Sebastian Bach. Es war eine Bühne aufgebaut und es wurde klassische Musik dargeboten. Okay, interessierte mich jetzt nicht wirklich. Also ging ich zum Naschmarkt, um die Alte Handelsbörse abzulichten.

Durch die proppevolle Innenstadt ging ich zur Nikolaikirche, wo ich dann im Motel One eincheckte. Nachdem ich meine Wechselkleidung aus dem Rucksack geholt und ins Regal gelegt hatte, entschied ich mich für die blaue Stunde für den Augustusplatz. Zuvor ging ich jedoch wieder prinzipiell ziellos durch die Innenstadt und ließ mich ein wenig treiben. Nach der Nahrungsaufnahme ging es so langsam auf die blaue Stunde zu und ich begab mich zum Augustusplatz, um dort das Opernhaus auf der einen und das Gewandhaus auf der anderen Seite abzulichten. Der Wochenmarkt war mittlerweile abgebaut, so daß beide Gebäude frei sichtbar waren. Eine gute Stunde stellte ich mein Stativ an verschiedenen Punkten auf, bevor ich mich zurück ins Hotel begab.

Samstag, 11.06.2022

Heute stand einiges auf der Agenda! Der erste Programmpunkt des Tages war das Zeithistorische Forum (gesonderter Bericht dazu folgt noch). Fußläufig war das vom Hotel gut und schnell zu erreichen, so daß ich den Fotorucksack im Zimmer ließ und nur mit dem iPhone fotografierte. Als ich das sehenswerte (und kostenlose!) Museum wieder verlassen hatte, holte ich auf dem Weg zum Hauptbahnhof im Hotel meinen Rucksack, um zum Stadion von RB Leipzig zu fahren. Bevor ich aber ins Hotel ging, ging ich in die Nikolaikirche. Diesen geschichtsträchtigen Ort muß man ja auch mal von innen gesehen haben! Fotografieren ist nur gegen Entgelt erlaubt, aber die Bilder dürfen nicht ins Internet gestellt werden. Also verzichtete ich auf diese Möglichkeit und machte es nicht so, wie es die anderen Besucher taten, die munter mit ihren Smartphones fotografierten und dabei keine Mund-Nase-Bedeckung trugen. Dabei wiesen diverse Schilder unmißverständlich am Eingang in mehreren Sprachen auf das Fotoverbot und die in der Kirche bestehende Maskenpflicht hin. Na ja: Leute, denen geltende Regeln völlig egal sind, gibt es halt überall!

Ich verließ die Kirche, ging ins Hotel, holte den Rucksack und hatte meine Tour zum Stadion im Kopf. Die wollte ich mit einem E-Scooter erledigen und am Hauptbahnhof war ein großer Abstellpunkt dafür. In Leipzig ist das Abstellen der E-Scooter nämlich streng räumlich eingegrenzt. Ich schnappte mir also einen der Roller und fuhr zum Stadion, wo ich allerdings ein wenig enttäuscht war, denn aufgrund einer Veranstaltung konnte ich das Stadion lediglich von der Straße aus sehen. Bzw. handelte es sich vielmehr um das Hauptgebäude des alten Zentralstadions, welches damals nicht abgerissen wurde. Nach einigen Fotos fuhr ich mit dem E-Scooter wieder zurück in Richtung Innenstadt und hielt kurz vor dem Ring an und beendete meine Fahrt.

Der nächste Programmpunkt war die Evangelisch-Reformierte Kirche. Von deren Dach aus filmten 1989 Aram Radomski und Siegbert Schefke unter Einsatz ihres Lebens die Montagsdemonstration (“Wir sind das Volk!”) und trugen damit einen Teil zur friedlichen Revolution bei. Da mußte natürlich ein Foto für mein Zeitgeschichts-Wiki www.wo-war-das.de gemacht werden!

Direkt gegenüber befindet sich das Einkaufszentrum Höfe am Brühl.

Das schaute ich mir auch an, bevor es mit der Straßenbahn dann zum Völkerschlachtdenkmal ging. Vorher stieg ich an der Alten Messe aus, weil ich das Doppel-M fotografieren wollte.

Von dort aus ging ich zu Fuß zum ca. einen Kilometer entfernten Völkerschlachtdenkmal, ließ das Areal jedoch zunächst im wahrsten Sinne des Wortes links liegen, weil ich den direkt daneben liegenden Südfriedhof aufsuchen wollte, um mir das Grab von Kurt Masur anzuschauen, der ebenfalls seinen (beträchtlichen) Teil zur friedlichen Revolution beitrug.

Als ich das erledigt hatte, war es wirklich Zeit für’s Völkerschlachtdenkmal. Nachdem ich dort einige Zeit verbracht hatte, fuhr ich mit der Bahn wieder zurück in die Innenstadt, lief durch die Straßen und spazierte letzten Endes zur “Runden Ecke”. In dem Haus war seinerzeit die Stasi untergebracht. Mittlerweile kann man sich einen Teil des Gebäudes im Erdgeschoß anschauen (Auch hier folgt noch ein gesonderter Bericht…).

Es war noch Zeit, die ich nutzen wollte. Ich entschied mich für die Löffelfamilie, wohin ich mit der Bahn fuhr. Meinen anstrengenden Tag bei sommerlichen Temperaturen beendete ich in der L’Osteria, wo ich mir eine Pizza gönnte. Als ich dann auf dem Hotelzimmer war, war ich ehrlich gesagt zu kaputt, um zur blauen Stunde noch einmal loszuziehen, so daß ich mir erst gar keine Gedanken machte, was man denn hätte fotografieren können. Augustusplatz mit Opernhaus und Gewandhaus vom Vortag mußten reichen!

Fazit

Und genau deshalb kann ich auch jetzt schon ein Fazit ziehen, denn am Sonntag gab es nichts mehr zu sehen, was meinen Eindruck noch hätte verschlechtern können. Leipzig ist wirklich eine schöne Stadt. Ich kam mir ein klein wenig vor wie in Rom mit all den alten Gebäuden und der Außengastronomie – aber eben nur fast. Rom ist definitiv die wesentlich schönere Stadt, aber Leipzig ist dennoch einen Besuch wert! Und dafür reicht ein Wochenende vollkommen aus, finde ich.

Sonntag, 12.06.2022

Nachdem ich das Hotel verließ, begab ich mich zum Hauptbahnhof. Ich hatte noch ein wenig Zeit, weil ich einen Besuch des Museumsgleises geplant hatte. Dort stehen einige alte Loks und Züge. Als ich mir die angesehen hatte, kaufte ich mir noch Reiseproviant und suchte mir das Gleis, von dem mein ICE Richtung Frankfurt fahren sollte. Bis hierhin lief noch alles vollkommen problemlos, doch in Kürze sollte die Deutsche Bahn Vollgas geben – leider nicht auf der Schiene, sondern beim Kundenservice. Als ich am Bahnsteig saß und die Anzeige erblickte, war ich ein wenig irritiert. Ich hatte einen Sitzplatz in Wagen 28 reserviert. Angezeigt wurden jedoch nur Wagen in den 30ern. Schnell machte unter den wartenden Fahrgästen die Runde, daß die 20er-Wagen kein Bestand dieses ICE sein würden. Und auf einmal kam Hektik auf. Leute liefen durcheinander, begaben sich von einem Bereich des Bahnsteigs zu einem anderen und suchten Bahn-Mitarbeiter. Doch genau diese waren nicht zu finden. Ein ICE war mittlerweile eingefahren und auch ich setzte mich in Bewegung zum Ende des Bahnsteigs (Leipzig ist ja ein Kopfbahnhof – und was für einer!!!). Dann mußte ich halt in den Zug einsteigen und dort einen Zugbegleiter fragen. In den Zug zu gelangen, war jedoch alles andere als einfach, um nicht zu sagen, erst einmal vollkommen unmöglich. Einige Passagiere stiegen wieder aus, andere ein und irgendwann war ich auch drin. In Erwartung des entsprechenden 30er-Wagens der 1. Klasse, denn die wurden ja angezeigt, blickte ich auf die innenliegende Anzeige. Ich befand mich in Wagen 28, also in einem der Wagen, die laut Anzeige auf dem Bahnsteig gar nicht vorhanden waren. Auf meinem reservierten Platz saß natürlich jemand, der aber unverzüglich aufstand, als ich ihm mein Ticket mit der entsprechenden Platznummer zeigte. Also viel Aufregung um nichts, oder?

Der Zug wurde immer voller und nach einiger Zeit kam eine extrem unfreundliche Durchsage, daß alle Fahrgäste ohne gültige Reservierung sofort aus dem Zug aussteigen sollten, weil sich dieser nicht eher in Bewegung setzen würde. Durchsage ist jedoch schlichtweg falsch, denn das Ganze wurde ins Mikro gebrüllt. Selbstverständlich war immer noch kein Mitarbeiter der Deutschen Bahn zu sehen, der sich der Sorgen der Fahrgäste hätte annehmen können oder wollen. Und die, die mitten im Gang standen, waren nicht gewillt, den Zug wieder zu verlassen. Hätte ich auch nicht gemacht. Das Gebrüll über die Lautsprecher wurde mehrfach wiederholt und tatsächlich leerte sich der Zug ein wenig. Aber er fuhr noch nicht. Mittlerweile war mir schon klar, daß ich meinen Anschlußzug in Frankfurt verpassen würde.

Ein einziger Mitarbeiter der Bahn hastete dann urplötzlich doch durch den Wagen. Er wurde selbstverständlich von allen Seiten angesprochen, wimmelte aber alle Anfragen in gekonnter Servicewüstenmanier ab, ging einfach weiter und ließ die ratlosen Fahrgäste zurück. In einer Sportübertragung würde der Reporter an dieser Stelle wohl sagen “Ganz starke Leistung der Deutschen Bahn bis hierhin. Es bleibt abzuwarten, ob sie das Niveau bis zum Ende halten kann…” Und wie die Deutsche Bahn das kann!!!

Als sich der Zug dann tatsächlich in Bewegung gesetzt hatte, mußten wir unterwegs diverse Male auf offener Strecke anhalten. Mal war es ein vorausfahrender Zug, der für unsere Pause sorgte und ein anderes Mal Bauarbeiten im Abschnitt vor uns. Eines muß man diesem Unternehmen ja lassen: Ausreden sind massig vorhanden. Kleiner Tip für die Deutsche Bahn an dieser Stelle: Weniger Ausreden und mehr Züge und mehr Service wären hilfreich! Die Menschen, die sich in Euren Zügen befinden, haben Euch dafür bezahlt, daß Ihr sie sicher und halbwegs pünktlich (!!!) zum Ziel bringt. Vielleicht könnt Ihr Eure Mitarbeiter mal bei Singapore Airlines oder bei Thalys hospitieren lassen. Die können Euch zeigen, wie man freundlich sein kann!

In Frankfurt kamen wir also schon viel zu spät an. Wer jetzt damit rechnet, daß sich am dortigen Bahnsteig Mitarbeiter der Bahn befinden, die sich der Sorgen der Gäste annehmen, den muß ich allerdings enttäuschen. Auch in Frankfurt war niemand der Bahn zu sehen. Ich hatte unterwegs recherchiert, daß meine Zugbindung aufgehoben war, weil der Zug mehr als 20 Minuten Verspätung hatte. Und glücklicherweise sollte zeitgleich mit unserem (verspäteten) Eintreffen auf dem Gleis gegenüber ein Zug stehen, der nach Köln fuhr. Also aus dem einen Zug raus und auf der anderen Seite des Bahnsteigs in den nächsten Zug rein. Es hätte so einfach sein können! Hätte! Wenn die Deutsche Bahn nur nicht wieder ihre Finger im Spiel gehabt hätte, denn mein Zug nach Köln war überhaupt nicht da. Im Internet konnte ich recherchieren, daß dieser komplett ausgefallen war. Mir taten mittlerweile schon die Gesichtsmuskeln vor lauter Lachen weh! Und mein Nacken schmerzte ein wenig vom Kopfschütteln, aber sonst ging’s.

Der nächste Zug sollte um 16:09 Uhr kommen. Gut. Das war ja nicht mehr lang hin. Auf dem Bahnsteig wurde keine Verspätung angezeigt. Aber da wurde auch nicht angezeigt, daß der andere Zug komplett ausfiel. Hätte mich das stutzig machen sollen? Um 16:09 Uhr war jedenfalls kein Zug da, den ich hätte nehmen können. Die Anzeige hatte sich nicht verändert und wies den Zug noch aus. Das Internet war schlauer: Der Zug hatte Verspätung und sollte um 16:17 Uhr ankommen. Es wurde 16:17 Uhr, 16:18 Uhr, 16:19 Uhr … 16:27 Uhr und auf einmal tat sich etwas auf der Anzeige: Dort war zu lesen, daß der Zug zehn Minuten Verspätung habe. Glücklicherweise hatte ich zu Schulzeiten Mathematik im Leistungskurs, denn sonst hätte ich nicht anhand einer extrem komplizierten Formel ausrechnen können, daß die ursprüngliche Ankunftszeit (16:09 Uhr) plus der Verspätung (zehn Minuten) 16:19 Uhr ergibt. Und daß wiederum diese Uhrzeit zum Zeitpunkt meiner Berechnung (16:27 Uhr) bereits acht Minuten in der Vergangenheit lag. In der Folge war ich jedoch vollkommen enttäuscht von der Deutschen Bahn, denn auf einmal fuhr dieser Zug tatsächlich ein. Und während ich noch darüber nachdachte, ob die Bahn vielleicht eine andere Zeitrechnung hatte oder eine Bahn-Minute eventuell zwei realen Minuten entspricht, saß ich schon auf irgendeinem Platz der 1. Klasse und war gespannt, was mir bei der Ticketkontrolle widerfahren würde. Die verlief erstaunlicherweise vollkommen problemlos.

Als ich in Köln ankam, hatte der Zug es aber immerhin geschafft, noch eine Verspätung rauszufahren. Der Sportreporter meldete sich: “Damit war wirklich nicht zu rechnen, aber die Deutsche Bahn kann ihr Niveau bis zum Schluß der Reise wohl tatsächlich halten!” Ich ging zum S-Bahn-Gleis, wo ich kaum noch ein Stück Asphalt sehen konnte. Das Gleis war übervoll. Vielen Dank an dieser Stelle für das Neun-Euro-Ticket übrigens! Ich lauschte den Durchsagen, die in meinem Ohr immer mehr verschwammen: “Die S … heute zehn Minuten später”, “Der RE … entfällt”, “Die S … heute ca. dreißig Minuten später”

Die S-Bahn, die ich hätte nehmen können, kam nicht – weder bei der ersten planmäßigen Ankunft und auch nicht bei der zweiten. Wie gesagt: Lachmuskeln und Nacken! “Selten so eine Leistung von der ersten bis zur letzten Minute gesehen!” klang der Sportreporter in meinem Ohr.

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2 Kommentare

  1. Also in Summe eine angenehme Reise 🙂 Enttäuscht hat mich aber die Aufnahme einer Speise in einem richtigen Restaurant und das nicht gebundene Programmheft! Das kenne ich anders 😉 Zumindest bei der strubbeligen (Rück)-Reise bist du dir treu geblieben! Auch meine Gesichtsmuskeln schmerzen jetzt etwas – vielen Dank 🙂

    • Wenn man alleine fährt, muß man ja nicht so auf die Kacke hauen! 😛

      L’Osteria war auch mehr ein Zufallsfund im Vorbeigehen.

      Und die Rückreise: Wenn man’s nur liest und dabei schon den Kopf schütteln muß, dann kann man sich vielleicht vorstellen, wie es live war. Unfucking believable!!!

      Aber angenehm war die Reise – vor allem, weil Leipzig mir wirklich gut gefallen hat.

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