hunting for the American national jersey

Digitalfotografie ermöglicht uns nicht nur, Erinnerungen festzuhalten, sondern auch, welche zu kreieren.~James Wayner

Im ersten Drittel des Jahres 2018 fiel mir das Heimtrikot der amerikanischen Fußballnationalmannschaft erstmals auf, nachdem ich bereits früher darüber nachdachte, mir eines der amerikanischen Trikots zu kaufen, weil sie mir generell gut gefielen. Das Heimtrikot des Jahres 2018 jedoch stach noch einmal deutlich heraus, so daß ich die Entscheidung traf “Dieses Trikot will ich haben”.

Also suchte ich zunächst einmal das erste Sportgeschäft in der Kölner Innenstadt auf, um nach diesem Trikot Ausschau zu halten, doch dort wurde ich nicht fündig. Im zweiten Geschäft das gleiche traurige Bild. Es war halt damals (noch) keine Fußball-WM, denn während dieser Zeit werden eigentlich auch sämtliche Exoten-Trikot feilgeboten. Ich wartete also bis zum Sommer und hoffte auf das gleiche Erscheinungsbild in den Geschäften wie vier Jahre zuvor. Als die Weltmeisterschaft in Rußland begonnen hatte, machte ich mich wieder auf den Weg in die gleichen Geschäfte. Das Ergebnis blieb jedoch dasselbe und damit genauso enttäuschend wie das Abschneiden der deutschen Fußballnationalmannschaft beim Turnier. In der gesamten Stadt war das Trikot nicht zu bekommen.

Der nächste Anlaufpunkt war das Internet. Hier fand ich das Trikot auch relativ schnell und bestellte es. Das Geld wurde von meinem Konto abgezogen und in wenigen Tagen würde ich das Trikot in den Händen halten. Ob es das Trikot auch schon vorher bei diesem Anbieter gab, kann ich nicht sagen. Vielleicht hätte ich mir also die beiden Suchtage in der City sparen können. Ernüchterung stellte sich aber zügig ein, denn einige Tage nach meiner Bestellung erhielt ich eine Email, daß das Trikot leider nicht mehr lieferbar sei und man mir das Geld wieder überweise. Hm…

Ein wenig frustriert kümmerte ich mich nicht mehr um das Trikot, weil bereits klar war, daß ich im Januar 2019 wieder nach New York fliegen würde. Dort wollte ich mich dann darum kümmern. In Deutschland gibt es ja auch an jeder Ecke alle möglichen Trikots zu kaufen (nur leider nicht das, was ich haben wollte). Warum sollte das in den U.S.A. selber anders sein?!

Als wir im Januar 2019 im Big Apple waren, schaute ich erstmal bei “Modell’s”, einem Sportgeschäft, das so ziemlich alles hat, was man als Sportler braucht – nur das Trikot der amerikanischen Fußballnationalmannschaft nicht! Irgendwann suchten wir den Nike Store auf der 5th Avenue auf. Auf Anhieb fand ich überhaupt keine Fußballtrikots, aber das konnte ja nicht sein. Also fragte ich einen Mitarbeiter, der mir erstaunlicherweise mitteilte, daß es in diesem Store überhaupt nichts zu kaufen gäbe, was den Teamsport betrifft. Okay! War ja nur der größte Shop von Nike in der Stadt! Meine Frage, wo ich denn dieses Trikot wohl bekäme, beantwortete er mir flüsternd hinter vorgehaltener Hand: “Upper 90 Soccer” hieß der Laden und war in der Upper West Side zu finden. Also fuhren wir in den Norden von Manhattan, fanden den Laden relativ schnell und ich entdeckte sogar das Trikot, das ich unbedingt haben wollte – leider aber nur in den Größen S und L. Also zogen wir unverrichteter Dinge ohne Trikot wieder ab, nachdem ich einen Mitarbeiter fragte, ob er noch eine Möglichkeit wüßte, wie ich an das Trikot käme. Er kannte keine.

Nach der Rückkehr nach Deutschland wurde das Thema “U.S.A.-Trikot” erst einmal ad acta gelegt. Im September 2019 stand eine Rundreise durch den Südwesten der U.S.A. an und bei dieser Gelegenheit würde ich mir das Trikot kaufen. In Los Angeles, Las Vegas oder San Francisco würde es ja wohl einen Shop geben, bei dem man das Trikot kaufen kann…

Zwischendurch machte ich noch einen Kurztrip nach Berlin. Dort gibt es auch einen Nike-Store, wo ich ebenfalls nach dem Trikot suchte. Das Trikot war auch hier nicht vorhanden.

Als wir schließlich in den Vereinigten Staaten waren und den Trip in L.A. starteten, stellte ich fest, daß ich keine Sportgeschäfte fand. Gut, wir waren eh nur zwei Tage in der Stadt und hatten anderes auf der Agenda, aber man schaute schon rechts und links des Weges. Für die Stadt der Engel konnte ich also schon mal festhalten, daß ich sie ohne Trikot verlassen würde. Die nächste größere Stadt auf unserer Route war dann nach knapp zwei Wochen Las Vegas. Hier kann ich ein Ergebnis präsentieren: In Vegas gibt es alles – nur keine Trikots der amerikanischen Nationalmannschaft. Vielleicht lag es auch hier an der Zeit, weil wir nur einen Tag im Spielerparadies verbrachten und dabei genug anderes anschauen wollten. Ein Sportgeschäfte entdeckte ich mal wieder keines.

Gegen Ende der Reise machten wir einen Halt in der kalifornischen Hauptstadt Sacramento. Beim kleinen vierstündigen Stadtspaziergang guckte ich auch wieder nach Sportgeschäften, fand aber erstaunlicherweise wieder keins. Auf dem Rückweg zu unserem Wohnmobil gingen wir dann immerhin noch zu “Macy*s”, die das Trikot aber auch nicht hatten. Jetzt mußte San Francisco alles rausreißen! Dort hielten wir uns vier volle Tage auf und waren auch viel in der Stadt unterwegs. Genug Zeit also, um nach Sportgeschäften Ausschau zu halten. Auf Pier 39 fand ich direkt am ersten Abend ein Geschäft, wo man alles kaufen konnte, was das Fanherz begehrt – allerdings nur Trikots, Fahnen usw. von Baseball-Teams, Football-Teams und Eishockey-Teams. Zwei Fußballtrikots hingen zwar einsam und verlassen auf einem Kleiderständer, aber die waren von Seattle Sounders und somit für mich uninteressant.

Als wir uns für einen Tag Fahrräder mieteten, taten wir das in einem Laden, der zu einem Sportgeschäft gehört: “Basically Free Bike Rentals” (Wer sich jemals in San Fran Fahrräder mieten möchte, sollte das wirklich dort tun. Sensationeller Service!!!). Der sehr freundliche Mitarbeiter erklärte uns alle Highlights entlang unserer geplanten Tour und daß wir auf dem Gelände von Presidio in deren Hauptgeschäft mit einem Voucher in der Höhe der Fahrradmiete einkaufen könnten. Das war die richtige Gelegenheit, nach dem von mir gesuchten Trikot zu fragen. Daraufhin erhielt ich einen ungläubigen Blick und der Mann erklärte mir, daß er nicht wisse, um welches Team es sich handele, von dem ich da sprach. Hallo!!! Das ist Eure Nationalmannschaft. Die Frauen waren übrigens gerade Weltmeister geworden. Kannte er nicht. Er schaute trotzdem im Internet nach dem Trikot und zeigte mir, daß es wohl im Sportgeschäft vorrätig wäre, aber nur die Frauenvariante. Als Männeroberteil gab es lediglich ein T-Shirt mit dem Logo des Verbandes. Wir bedankten uns und als wir am nächsten Tag unsere Fahrräder abholten, radelten wir direkt in Richtung Golden Gate Bridge, so daß wir am “Sports Basement”, wie der Laden hieß, vorbeikamen und anhielten. Im riesengroßen und sehr schönen Geschäft gab es tatsächlich eine Ecke, die sich mit Fußball beschäftigte. Für Frauen gab es alles, was das Herz begehrte: Aufwärm-Shirts, Heimtrikot, Auswärtstrikot etc. Bei den Männern war die Auswahl ein wenig kleiner und beschränkte sich auf das oben bereits erwähnte T-Shirt. Das gab es aber immerhin in meiner Größe, so daß ich mir das kaufte. Ansonsten war hier nichts zu machen.

Am nächsten Tag waren wir zu Fuß in San Francisco unterwegs und kamen zufällig am Nike Store am Union Square vorbei. Da mußte ich rein! Hier gab es auch Fußballtrikots: von Chelsea, von Tottenham und von Manchester United. Also alles rein amerikanische Teams! Mehr Trikots gab es nicht. Es ist ja nicht so, daß es noch das ein oder andere erfolgreiche und bekannte Team auf der Welt bzw. in Europa gibt, das auch von Nike ausgestattet wird. Ich ging zu einem Mitarbeiter und fragte nach dem Trikot der US-amerikanischen Nationalmannschaft. Er sagte mir das, was wir bereits wußten, schaute dann aber im Internet nach. Dort fand er das Trikot und fragte anschließend einen seiner Kollegen, ob Nike Amerika auch nach Europa liefern würde. Taten sie nicht. Also gingen wir so auseinander, daß ich zu Hause auf den Seiten von Nike Europe nachschauen wollte.

Das Ergebnis meiner Suche nach der Rückkehr nach Hause dürfte wohl jedem, der bis hierhin mitgelesen hat, klar sein: Das Trikot gab es auf der europäischen Seite von Nike nicht. Auf Amazon fand ich zwar ein oder zwei dieser Trikots, aber der Preis von mehreren Hundert Euro schreckte mich dann doch ab. Für den realen Ladenpreis (also max. 100 Euro) würde ich das Trikot kaufen, aber nicht für mehr. Übrigens kann man das Trikot auf der Seite des amerikanischen Fußballverbandes sehr wohl online kaufen. Das Problem an der Geschichte: Es wird nur innerhalb der U.S.A. versandt. Ich suchte weiter im Internet und entdeckte auf einmal eine Seite, auf der das von mir gesuchte Trikot angeboten wurde: “World Soccer Shop“! Im Impressum fand ich heraus, daß es sich um einen Laden in Alabama handelte. Also gab es das Trikot doch irgendwo in den U.S.A.! Ich packte mir gleich zwei Trikots in den Warenkorb, weil ich das rote Ausweichtrikot auch schön fand. Vorher hatte ich mich informiert, ob ein Versand nach Europa möglich war. Sonst hätte ich ja nicht bestellen müssen. Beide Trikots zusammen kosteten mich 150 Dollar ($59.99 für das rote Trikot und $89.99 für das Trikot, welches ich haben wollte). Per Email wurde mir am 27.09. mitgeteilt, daß die Trikot verschickt wurden.

Nur kamen sie nicht bei mir zu Hause an. Die Sendungsverfolgung ergab, daß das Paket am 05.10. irgendwo bei der Zollabfertigung in Deutschland eintraf. Am 15.10. schließlich hatte ich eine Karte von DHL im Briefkasten, die mir mitteilte, daß ich ein Einwurf-Einschreiben bei der Post abzuholen habe. Zunächst wußte ich nicht, was sich dahinter verbarg. Als ich bei der Post war, klärte sich das dann auf. Ich mußte 13,60 Euro Zollgebühren entrichten.

Und damit hatte ich nach knapp 18 Monaten endlich das Trikot, das ich unbedingt haben wollte und habe dafür, wenn man das rote Trikot abzieht, ungefähr 100 Euro bezahlt. War doch gar nicht so schwer, oder?

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