making of … Berlin zur blauen Stunde

All die Technik der Welt kompensiert nicht die Fähigkeit zu beobachten.~Elliott Erwitt

Viele Fotografen kennen das: Man wird beim Anschauen der Bilder oft gefragt, wie denn dieses oder jenes Bild entstanden ist. Und da Bilder ja bekanntlich mehr sagen als tausend Worte, möchte ich das in diesem Beitrag anhand einiger Beispiele von meinem Trip nach Berlin im Januar 2020 zeigen.

Ich habe alle Fotos mit meiner Canon EOS 7D Mark II aufgenommen und dabei ein Sigma 10-20 mm F3,5 EX DC HSM, also ein Weitwinkelobjektiv, verwendet.

Ich entschied mich von vornherein, sämtliche Bilder mit ISO 100 aufzunehmen, um kein Bildrauschen zu haben. Zwar ist das Bildrauschen bei der Canon EOS 7D Mark II auch in höheren ISO-Stufen noch annehmbar, aber ISO 100 bietet dann doch die beste Qualität. Ebenfalls als fast konstante Größe verwendete ich Blende 11 (einmal auch Blende 13), um keine Beugungsunschärfe zu haben und auch keine sternförmigen Lichter, was beides zum Beispiel bei Blende 22 auftritt.

Bei den Tageslichtaufnahmen, die nicht zur blauen Stunde entstanden sind, habe ich zudem den Cokin Nuances NDP1024 Filter verwendet, um die doch zahlreich vorhandenen Menschen (zumindest vor’m Reichstag) verschwinden lassen zu können. Die hier im Beitrag gezeigten Fotos, auf denen meine Kamera zu sehen ist, wurden ganz simpel mit meinem iPhone gemacht.

Fangen wir zunächst also erst einmal mit zwei Bildern an, die nicht in der blauen Stunde entstanden sind…

Reichstag
Bildeinstellungen: Blende 11, 10 Sek. Belichtungszeit, 14 mm Brennweite, ISO 100
Hier habe ich mir mit dem Baumstumpf einen Vordergrund gesucht und die Kamera mit meinem Stativ so aufgestellt, daß dieser im Bild zu sehen ist. Die im linken Bild zu sehenden Schatten resultieren daher, daß zum Zeitpunkt der Aufnahme rechts von mir ein paar Personen standen. Da ich logischerweise etliche Bilder aufgenommen habe, konnte ich zur abschließenden Bearbeitung bei der Entstehung des rechten Bildes ein Foto nehmen, bei dem die Personen nicht mehr da waren, so daß auch die Schatten nicht zu sehen sind.
Haus der Kulturen der Welt
Bildeinstellungen: Blende 11, 20 Sek. Belichtungszeit, 20 mm Brennweite, ISO 100
Zunächst fand ich es ganz nett, daß aufgrund der winterlichen Temperaturen das Wasserbecken vor der “schwangeren Auster” nicht gefüllt war. Das habe ich im weiteren Verlauf auch noch ausgenutzt, indem ich etwas näher ans Objekt herangegangen bin. Im hier vorliegenden Bild habe ich jedoch vom Ende des Wasserbeckens aus fotografiert und in der Bildbearbeitung nachher doch mehr vom Himmel ins Bild genommen als bei der Entstehung geplant war. Warum? Ganz einfach: Das leere Wasserbecken hat mir dann auf dem Foto doch nicht so gefallen.
Brandenburger Tor
Bildeinstellungen: Blende 13, 4 Sek. Belichtungszeit, 12 mm Brennweite, ISO 100
Mein Plan war, ein Bild vom Brandenburger Tor ohne Menschen zu haben. Natürlich hätte ich auch mitten in der Nacht aufstehen können, was die Wahrscheinlichkeit erhöht hätte, aber hier wollte ich mir tatsächlich von vornherein die Fähigkeiten von Photoshop zu Nutze machen und mehrere Bilder übereinanderlegen und anschließend so bearbeiten, daß die Menschen verschwunden sind. Wer schon einmal am Brandenburger Tor war, weiß, wie voll es gerade zur blauen Stunde dort ist. Zunächst einmal galt es also, sich eine möglichst gute Ausgangsposition zu sichern. Als ich die zentral vor dem Tor gefunden hatte, machte ich eine halbe Stunde lang Fotos (u. a. auch als Timelapse).

Zu Hause suchte ich mir die besten Fotos raus und legte die übereinander. Wer sich jetzt fragt, was mit “die besten Fotos” gemeint ist, wo ich meinen Standort doch gar nicht verändert habe, dem sei gesagt, daß damit die Fotos gemeint sind, wo die Stellen auf dem Asphalt vor dem Tor so sind, daß man durch das Übereinanderlegen mehrerer Bilder dann möglichst eine freie Fläche erhält, d. h. die auf den Fotos zu sehenden Personen mußten nach Möglichkeit an verschiedenen Positionen zu sehen sein, damit der leere Asphalt eines anderen Bildes diese Personen überdecken konnte.

Aufgrund der Aufnahmezeit (blaue Stunde) und der sich minütlich ändernden Lichtverhältnisse sieht nicht nur der Himmel auf jedem Foto unterschiedlich aus, sondern auch der Straßenbelag. Und genau das erkennt man auf dem fertigen Foto. Die Pflastersteine stammen hier nicht alle aus einem Bild, der Himmel schon – beim Himmel muß man ja nichts entfernen. War ein Versuch, der nur teilweise gelungen ist. Wirklich vorzeigbar ist das Bild letzten Endes natürlich nicht.

Potsdamer Platz
Bildeinstellungen: Blende 11, 1,6 Sek. Belichtungszeit, 10 mm Brennweite, ISO 100
Millionenfach fotografiert, aber noch nicht von mir. Ich stellte mich auf die Verkehrsinsel am Ende der Leipziger Straße, so daß sich zumindest niemand vor meiner Kamera ins Bild drängeln konnte, wie es bei anderen Fotospots doch sehr häufig der Fall ist. Lediglich die vorbeifahrenden Autos konnten für Lichtspuren sorgen. Die wollte ich jedoch weitestgehend gering halten, weil diese Lichtspuren teilweise doch relativ hell sind und um das abzumindern, hätte ich mit einem Verlaufsfilter fotografieren müssen.

Auch hier entstanden in einer knappen halben Stunde diverse Fotos, von denen ich mir nachher das Foto raussuchte, das mir am besten gefiel (Logisch!) und das mit Lightroom noch ein wenig nachbearbeitete.

Deutscher Dom
Bildeinstellungen: Blende 11, 2,5 Sek. Belichtungszeit, 14 mm Brennweite, ISO 100
Auch bei diesem Fotospot ist es fast unmöglich, keine Menschen auf dem Bild zu haben. Ich positionierte mich so, daß ich den Deutschen Dom so aufnehmen konnte, daß ich am oberen Bildrand noch genügend Platz hatte, damit ich nachher eventuell die stürzenden Linien würde ein wenig begradigen können, denn dabei wird ein Teil vom oberen Bildrand “abgeschnitten”. Ansonsten war es die gleiche Verfahrensweise: Etliche Bilder in einigen Minuten und zu Hause das Bild rausgesucht, auf dem die wenigsten Menschen zu sehen sind.
Konzerthaus Berlin
Bildeinstellungen: Blende 11, 1 Sek. Belichtungszeit, 14 mm Brennweite, ISO 100
Vom Deutschen Dom aus war es nicht weit zum Konzerthaus, aber eigentlich müßte ich es andersrum aufschreiben, denn dieses Bild entstand zunächst, bevor ich dann meinen Standort verlagerte und den Deutschen Dom fotografierte. Die blaue Stunde war noch nicht ganz angebrochen, was man beim linken Bild deutlich erkennt.

Zu Hause entschied ich mich dazu, das Feature “Sky Replacement” des neuen Luminar 4 auszuprobieren und auszunutzen. Der Himmel des endgültigen Bildes sah also überhaupt nicht so aus. Trotzdem ist das bislang noch niemandem aufgefallen, was doch für Luminar 4 spricht. Und mir gefällt das Endergebnis tatsächlich auch.

Bode-Museum
Bildeinstellungen: Blende 11, 4 Sek. Belichtungszeit, 10 mm Brennweite, ISO 100
Erstaunlicherweise war am Bode-Museum überhaupt nichts los, so daß ich meinen guten Standort problemlos einnehmen konnte. Es gab also keinen “Battle” mit einem anderen fotografiebegeisterten Menschen. 😉 Das linke Foto ist ganz zu Beginn entstanden, als die blaue Stunde noch nicht begonnen hatte, was man am Himmel eindeutig sieht.

Auch hier sind dann wieder über eine gute halbe Stunde etliche Fotos entstanden, von denen anschließend eines genommen wurde, bei dem ich die stürzenden Linien begradigt habe und ansonsten fast nichts mehr nachbearbeiten mußte. Lediglich die Farben wurden ein klein wenig nachjustiert.

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