gamescom 2019

Kunst kommt bekanntlich von können, nicht von wollen.~Waltraud Puzicha

Sind wir mit großen Erwartungen zur gamescom gegangen? Das würde ich nicht unbedingt sagen. Es gab zwar Erwartungen, aber groß waren sie nicht. “Wir” sind in diesem Fall vier Männer, die in ihrer Freizeit das Computerspiel “World of Tanks” spielen. Und aus den vorherigen Jahren war zu hören, daß Wargaming, der Hersteller dieses Spiels, auf der Messe einige Bonuscodes verteilt hatte, mit denen man im Spiel beispielsweise für kurze Zeit Vergünstigungen erhalten konnte. Und wenn eine solche Messe vor der Haustür stattfindet, dann wäre sie doch einen Besuch wert.

Die gamescom nahm sämtliche Messehallen in Beschlag, was für weite Wege für all die sorgte, die sich wirklich alles anschauen wollten. Auf der gamescom kann man (leider) keine Computerspiele kaufen, sondern lediglich Merchandising-Artikel, wobei die beiden Hallen, in denen diese Artikel feilgeboten wurden, sich deutlich unterschieden. Im Obergeschoß der Halle 5 (also in Halle 5.2) präsentierten sich die großen Firmen und dementsprechend sah es dort auch aus, wie man es von Messen gewohnt ist, auf denen etwas verkauft wird. Trotz des Chaos und der vielen Menschen war es doch einigermaßen strukturiert. Ganz anders präsentierte sich dagegen Halle 5.1, das Untergeschoß: Hier hatte man wirklich das Gefühl, in eine andere Welt hinabgestiegen zu sein. Ich rechnete jeden Moment damit, daß die Polizei um die Ecke kommen und eine Razzia durchführen würde. Es erinnerte vom Erscheinungsbild eher an einen Floh- oder Schwarzmarkt. Es wurden sogar T-Shirts mit lustigen Sprüchen verkauft, für die man an spanischen Stränden nicht anstehen muß. Ich suchte verzweifelt den Zusammenhang mit einer Computerspielmesse.

Daß es in einer anderen Halle sogar einen Stand von McDonald’s gab, ließ sich leicht verschmerzen. Und so watschelten wir zwischen den einzelnen Hallen hin und her, ehe wir in der allerletzten Halle angekommen waren, wo sich der Stand von “World of Tanks” befand. Selbstverständlich präsentierte Wargaming nicht nur dieses Produkt, sondern auch Neuerscheinungen. Um diese anspielen zu können, galt auf der gesamten Messe die Regel: Ohne Altersbändchen läuft nix! Da die Warteschlange für “Caliber”, einen neuen Ego-Shooter von Wargaming recht kurz war, entschieden wir uns zum Probespiel. Zuvor durchquerten wir allerdings einmal die Halle 8, um uns diese Altersbändchen zu besorgen. Die wiederum bekam man nur gegen Vorlage eines Lichtbildausweises. Verständlich bei jugendlichem Aussehen. Bei deutlich Erwachsenen sorgte das eher für Schmunzeln. Amerikanische Verhältnisse auf der gamescom!

Als wir wieder bei Wargaming ankamen, war die Schlange angewachsen und wir hatten keinen freien Blick mehr auf die Bühne, auf der gerade “World of Tanks” gespielt wurde, was auf einer Leinwand präsentiert wurde. Bei jedem Treffer eines der Spieler wurden T-Shirts in die Menge geworfen. Und so ging das Minute um Minute, ehe wir uns zu dritt dazu entschieden, die Warteschlange nach hinten zu verlassen, denn soviel lag uns dann doch nicht an dem Spiel. Es war Zeit für eine erste Pause, die die Raucher nutzen konnten, um ihrer Sucht nachzugehen. Die gekauften Getränke ließen wir uns schmecken und genossen sie, denn 0,3 l für 3,30 Euro bekommt man auch nicht alle Tage!

Wir hatten am Stand von Wargaming schon den ein oder anderen gefragt, der den dort angebotenen Parcours bewältigt hatte, was er als “Belohnung” dafür bekommen hatte. Die Antworten enttäuschten uns mehr, als daß sie uns dazu hätten verleiten können, uns in der langen Warteschlange anzustellen. Und so beschlossen wir unseren Tag, begaben uns wieder Richtung Ausgang und wunderten uns dabei doch immer wieder über die unterschiedlichen Stände. An manchen Ständen konnte man kaum treten, während es bei anderen Ständen doch recht leer war. Natürlich war zum Beispiel bei “FIFA 20” sehr viel los und die Warteschlange auch entsprechend lang.

Fazit

Ich war zweimal auf der gamescom – das erste und das letzte Mal. Was habe ich davon, wenn ich ein Computerspiel einige Tage oder Wochen vor dem Release spielen kann? Richtig: Nichts! Und wenn ich ein solches Spiel unbedingt haben möchte, dann kaufe ich es mir, wenn es erscheint. Für mich war der dreistündige Aufenthalt total verschenkte Zeit, von der ich rein gar nichts hatte. Ob ich vor 35 Jahren vielleicht einen Sinn in dem Besuch einer solchen Messe gesehen hätte, vermag ich nicht zu sagen. Es gab früher zwar eine jährliche Computerspielmesse in Köln, die ich auch mehrfach besucht habe, aber das war eine Verkaufsmesse, auf der man zudem an den einzelnen Ständen mit den Programmierern sprechen konnte. Und auch wenn es damals sehr voll war, war es wesentlich weniger auf Kommerz und social media ausgelegt als heute. Damals wäre niemand auf die Idee gekommen, Fotos von irgendwas zu machen – es sei denn, er war von der Presse. Es ging einzig und allein darum, sich über Spiele zu informieren oder ein Spiel zu kaufen. Gleiche Erfahrungen habe ich Jahre später in Dortmund auf einer Computerspielmesse gemacht.

Das Fazit kann also eigentlich nur lauten: Ich bin zu alt für so einen Scheiß! 😛

(Die Fotos sind alle mit einem iPhone 8 gemacht worden.)

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