Grotenburg-Kampfbahn – wie sieht es da eigentlich aus?

Zwölf gute Fotos in einem Jahr sind eine gute Ausbeute.~Ansel Adams

Das Stadion ist in letzter Zeit wieder ein wenig aus dem Schattendasein ins kollektive Gedächtnis der Fußballfans gerückt, als vor Jahren bekannt wurde, daß der KFC Uerdingen seine Heimspiele nicht mehr dort austragen darf, weil diverse Tribünen oder Blöcke marode sind und nicht mehr genutzt werden dürfen. So zog der Krefelder Fußballclub mehrfach um und trug zunächst in Duisburg in der Schauinsland-Reisen-Arena seine Heimspiele aus, ehe er dann nach Düsseldorf in die MERKUR SPIEL-ARENA weiterzog. Als dort die Zahlungen ausblieben und dem Verein gekündigt wurde, fand er im 176 km entfernten (!!!) Stadion der Sportfreunde Lotte seine Heimspielstätte. Zur Saison 2021/22 spielte er dann im Stadion der SSVg Velbert.

Ob und inwieweit die zahlreichen Mäzene und Gönner der vergangenen Jahre ihr Scherflein dazu beitrugen, ist mir nicht bekannt. Sportlich geht es dem Verein mittlerweile aber wieder eher schlecht als recht, nachdem er vor wenigen Jahren noch unbedingt in den Profifußball zurückkehren wollte und zahlreiche ehemalige Bundesligaspieler unter Vertrag nahm. Doch auch von diesem Glanz ist mittlerweile nichts mehr zu sehen.

Den Fußballnostalgikern dürfte die ehemalige “Grotenburg-Kampfbahn” vor allen Dingen wegen eines einzigen Spiels in Erinnerung geblieben sein: Am 19.03.1986 kam es hier zum Viertelfinalrückspiel des Europapokals der Pokalsieger zwischen Bayer 05 Uerdingen und Dynamo Dresden. Das Hinspiel in der DDR hatten die Uerdinger mit 0:2 verloren, so daß sie nun einen Sieg mit drei Toren Unterschied benötigten, um ins Halbfinale einziehen zu können (Damals galt noch die Auswärtstorregel, die ja erst zur Saison 2021/22 abgeschafft wurde.). Nach einem denkbar ungünstigen Start mit einem frühen Gegentor lagen die Hausherren in diesem Rückspiel zur Halbzeit bereits mit 1:3 zurück und nur die absoluten Optimisten wagten in ihren kühnsten Träumen noch an ein Weiterkommen und damit an das “Wunder von der Grotenburg” zu denken. Ich saß damals glücklicherweise als 15jähriger ebenfalls vor der Flimmerkiste und konnte meinen Vater zur Halbzeit überreden, den Fernseher nicht auszuschalten, weil ich halt gerne Fußball guckte. Welch ein Glücksfall! BTW: Die Partie wurde lediglich deshalb übertragen, weil es sich um ein deutsch-deutsches Duell handelte. Ansonsten wäre mit Sicherheit die Begegnung zwischen Bayern München und dem RSC Anderlecht aus dem Pokal der Landesmeister, dem Vorläufer der heutigen Champions League (Damals spielten in diesem Wettbewerb aber wirklich nur Landesmeister mit!), übertragen worden. Ja! Andere Zeiten waren das damals. Die Fernsehsender entschieden sich frühzeitig für ein Spiel, das übertragen werden sollte und von allen anderen Begegnungen bekam man lediglich das nackte Endergebnis präsentiert. Von Konferenzen oder gar mehreren Fernsehsender und Streaming war man Lichtjahre entfernt.

Als ich in Krefeld war, war alleine die Erinnerung an eines der unglaublichsten Fußballspiele aller Zeiten Grund genug, mir das Stadion einmal näher anzuschauen. Wer weiß, wie lange das Ding überhaupt noch steht, wenn sich niemand findet, der die Sanierung bezahlt! 2002 fanden übrigens zudem hier Dreharbeiten für den Film “Das Wunder von Bern” von Sönke Wortmann statt.

Parkmöglichkeiten gibt es genügend, denn direkt südlich des Stadions befindet sich ein großer Parkplatz. Der Zugang zum Stadion war uns allerdings nicht möglich, so daß wir zu Fuß an der westlichen Seite in Richtung Norden gingen. Dort kann man auch einen Blick auf alte Kabinen werfen, die augenscheinlich (oder hoffentlich!) schon länger nicht mehr genutzt werden. Ansonsten ist man schon ein ganzes Stück weit weg vom eigentlichen Stadion, das hinter einem Zaun liegt. Der Blick ist teilweise durch Baumbewuchs eingeschränkt, so daß man das richtige Flair eines altehrwürdigen Stadions nicht wirklich aufsaugen kann.

Fotowert: 2 out of 5 stars (2 / 5) (eher was für Nostalgiker)

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