von South Lake Tahoe nach Truckee

Kritiker sind gute Freunde, die uns auf Fehler hinweisen.~Benjamin Franklin

Dieser Teil der Reise schließt unmittelbar an das Teilstück von Sonora zum Lake Tahoe an. Es war der 17.09.2019 und an diesem Tag sollten wir letzten Endes nur 64,8 Meilen gefahren sein. Warum? Nun, lest selbst:

Heute schliefen wir erstaunlicherweise etwas länger. Ich wurde um 08.29 Uhr nach exakt zehn Stunden wach, während meine Frau noch weiter schlummerte. Nachdem ich Wasser gekocht und den Frühstückstisch gedeckt hatte, schälte meine Frau sich aus dem Bett. Was war das heute Nacht kalt! -2 Grad waren es, während wir letzte Woche tagsüber noch 40 Grad hatten. Da wir um die Temperaturen während der Nacht wußten, schliefen wir mit Jogginghose und Socken und trotzdem war es mitten in der Nacht so kalt, daß wir die Heizung kurzzeitig anwerfen mußten.

Während des Frühstücks überlegten wir, wohin uns der Tag denn wohl führen könnte. Squaw Valley war der Fixpunkt und von da aus sollte es weiter nach Norden gehen. Reno im Osten und Sacramento im Westen standen zur Auswahl. Leicht favorisiert wurde Reno, so daß ich schon wieder das Internet bemühte, um Entfernungen und Wegstrecken nachzuschauen. Während dessen schwang meine Frau sich auf ihr Mountainbike und fuhr an dem Stellplatz vorbei, an dem sie gestern das Squirrel befreit hatte, um sich die Nummer zu merken und den gesamten Vorfall anschließend im Office zu melden. Dort riet man ihr, einen Arzt aufzusuchen und darüber debattierten wir, während wir den Campground verließen. Das nächste Krankenhaus befand sich unmittelbar nördlich des Campgrounds, so daß es nur eine Fahrt von wenigen Minuten war. Und als wir das Wohnmobil direkt gegenüber des Haupteingangs abstellten, entschieden wir über unsere Route des heutigen Tages, ohne es jedoch zu wissen. Am Empfang mußten erst einmal etliche Formulare ausgefüllt werden und es folgte die übliche Prozedur (Wiegen, Blutdruck messen etc.).

Wichtig in diesem Zusammenhang! Unbedingt lesen: Auslandskrankenversicherung sinnvoll? Definitiv!

Wir bekamen in unserem Emergency Room nacheinander Besuch von einer Krankenschwester, die sich um die Bürokratie kümmerte, von einem Krankenpfleger, der abfragte, welche Medikamente genommen werden und schließlich von einer Ärztin, die sich die Wunde, die wir gestern ausgiebig gereinigt und verbunden hatten, ansah.

Dann kam der nächste Pfleger, der die Medikation des verschriebenen Antibiotikums überwachte und letztendlich noch einmal die Krankenschwester mit den Formularen. Alle waren sehr, sehr freundlich und insgesamt haben wir uns in der Notaufnahme sehr wohl und gut behandelt gefühlt. Hier schlug die Freundlichkeit der Amerikaner voll zu, was in einer solchen Situation mit Sicherheit hilfreich sein kann.

Abschließend kam, was kommen mußte: Die Rechnung. $1294.25 waren dort zu lesen. Dafür, daß eine Ärztin sich kurz die Wunde ansah und entschied, ein Antibiotikum zu verschreiben! Eintausendzweihundertvierundneunzig Dollar! Ein-tausend-zweihundert-vier-undneunzig Dollar! Bääämmmm! Da machten sich die 7 Euro für die Auslandskrankenversicherung doch bezahlt. Also riefen wir als nächstes in der Heimat bei der Notfallnummer der Versicherung an, denn das Krankenhaus wollte entweder eine amerikanische Rechnungsadresse oder Geld von uns. Es kam natürlich, was kommen mußte: Die Handyverbindung brach zusammen – gerade als alles aufgenommen und durchgegeben war, wir aber noch nicht wußten, wie es weitergeht. Keine Handyverbindung? Das kam uns irgendwie bekannt vor. Ich hatte glücklicherweise Netz, so daß wir direkt noch einmal anriefen und mindestens zwei Minuten in der Warteschleife hingen. Kostet ja nix, so ein Anruf aus Amerika nach Deutschland. Aber die paar Kröten machten den Braten jetzt auch nicht noch fetter. Ganz im Gegenteil: Die Versicherung benannte uns eine amerikanische Versicherung mitsamt Adresse, Faxnummer und allem Pipapo, so daß wir das ans Krankenhaus weiterreichen konnten. Einziges Problem an der Sache: Unsere Versicherung in Deutschland brauchte ein unterschriebenes Papier, um den Datenschutz bezüglich des Rechnungspreises aufheben zu können. Aber auch das war gar kein Problem. Das Fax ging ans Krankenhaus, wurde ausgedruckt, uns vorgelegt, unterschrieben und wieder zurückgefaxt. Damit war die Sache für uns nach etwas mehr als zwei Stunden erledigt.

Der lange Schlaf am Morgen sorgte dafür, daß es jetzt bereits knapp 13 Uhr war. Wir mußten “noch schnell” zur Pharmacy. Das Medikament mußte aber erst zusammengestellt werden, was ca. 20 Minuten benötigte. 20 Minuten, um 14 Antibiotikum-Tabletten in ein Plastikröhrchen zu füllen? Oder wurden die Tabletten bei CVS vor Ort gepreßt, nachdem wir sie bestellt hatten. Man weiß es nicht. 52 Dollar ließen wir im Laden und jetzt konnte es endlich losgehen.

Zwischendrin hatte ich den Wunsch geäußert, nach Stateline zu fahren, wie der Teil von South Lake Tahoe heißt, der sich östlich des Sees auf dem Gebiet von Nevada befindet. Sieben Meilen mußten wir fahren, die sich aber aufgrund von “road work” etwas zogen. Als wir in Stateline ankamen, drehten wir eine Runde mit dem Wohnmobil und fuhren wieder zurück. Rechts von uns lag der traumhaft schön anzuschauende Lake Tahoe und auf der anderen Straßenseite reihte sich ein Klotz von Casino-Hotel an den nächsten. Als wir die Grenze zwischen Nevada und Kalifornien passierten, die unmittelbar an einer Straßenkreuzung verläuft, wurden die Häuschen kleiner und anstatt Casino und Show gab’s Burger und Schwimm- bzw. Ski-Zubehör. Der Ort wurde augenscheinlich auf die nahende Wintersaison vorbereitet, denn überall wurde gearbeitet. Ich entdeckte auf der linken Seite ein Schild von “Five Guys” und bog auf den Parkplatz eines “Whole Foods” ab, der allerdings auch noch im Bau befindlich war. Auch die Geschäfte vom Parkplatz bis zum “Five Guys” waren alle noch nicht wirklich fertig.

Five Guys (3640B Lake Tahoe Blvd, South Lake Tahoe, CA 96150)

Nachdem wir zusammen einen Burger with fries verputzt hatten, fuhren wir weiter. Jetzt staute sich der Verkehr allerdings erheblich mehr als auf dem Hinweg in Gegenrichtung. Road work sei Dank!

Irgendwann hatten wir South Lake Tahoe nach Nordosten verlassen (Getankt hatten wir zwischendurch auch noch mal eben für 142 Dollar.) und fuhren Richtung Emerald Bay, wo wir ja bereits gestern Station gemacht hatten. “Road work ahead” verhieß uns das erste Schild nichts Gutes, was durch die Konkretisierung “One lane traffic” nicht besser wurde. Und so standen wir wieder etliche Minuten, ehe es weitergehen konnte und sich die Blechlawine den Berg hochächzte. Dicht an dicht knatterten die Autos und Lkws entlang des Lake Tahoe.

An der Emerald Bay war wieder Phantasialand-Verkehr. Die Autos parkten bereits ein Stück weiter vorne als gestern und es waren vor allen Dingen wesentlich mehr. Die leise Hoffnung, vielleicht noch ein schönes Bild von der Bay mitzunehmen, begrub ich, während ich unseren RV die Serpentinen nach oben lenkte.

Es ging also direkt durch nach Squaw Valley (gesonderter Bericht).

Wir verließen Squaw Valley und mußten nun aufgrund der nahenden Dunkelheit, die uns mal wieder im Nacken saß, entscheiden, wohin die Reise gehen sollte. Reno oder Sacramento? Osten oder Westen? Nevada oder Kalifornien? Stadt oder Stadt? Es wurde letzten Endes Kalifornien – und zwar ein Campground mitten in der Natur an einem Bach.

Warum? Ganz einfach: Aufgrund der noch kommenden vier Tage San Francisco wollten wir noch ein wenig Natur mitnehmen. Und ehe wir in Reno gewesen wären, wäre es mindestens 18.30 Uhr gewesen. Dann noch einen Campground suchen und anschließend einen Weg in die Stadt. Darauf hatten wir dann doch keine Lust. Und ich bin mir sicher, Reno wird uns nicht vermißt haben. Die kalifornische Hauptstadt Sacramento würden wir dann morgen in aller Ruhe in Angriff nehmen.

Der erste Campground, den wir anfuhren, war menschenleer und im Wald, was uns ein wenig zu unheimlich war. Der nächste war geschlossen, obwohl wir in der Vorbeifahrt einige wenige Camper dort sehen konnten. Die richtige Einfahrt zu diesem Campground war jedoch erst ein paar hundert Meter weiter. Um noch eben abbiegen zu können, waren wir jedoch zu schnell. Also suchten wir im Internet die RV Parks in der Nähe zusammen. Der vermeintlich schönste war, natürlich, der teuerste und sollte $65 kosten, was uns zu viel war. Gut, er bot dafür full hookup. Die nächsten Campingplätze sahen aus wie staatliche, so daß wir uns dafür entschieden. Wir fuhren ein kleines Stück über den Freeway und bogen zur Einfahrt ab. Die Beschilderung war ein wenig verwirrrend, so daß wir zunächst davon ausgingen, die Plätze seien geschlossen. Waren sie aber gar nicht, wie wir dann herausfanden, als ein Pkw auf das Gelände fuhr. Also sind wir auch dort entlanggefahren und kamen an die Bezahlstelle, die bereits geschlossen war. Ein Schild wies aus, daß nur Wohnmobile bis 24 Fuß erlaubt waren. Da waren wir länger. Also wendeten wir, fuhren über den Freeway zurück und nahmen diesmal die richtige Einfahrt des Campingplatzes direkt am Bach. Für $22 hatten wir nichts außer dem Stellplatz, aber das war uns egal. Es war schließlich die letzte Nacht außerhalb einer Stadt.

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