Los Angeles

Gegenseitiges Lehren und Lernen unter Kollegen führt generell zu höherer Qualität in der Fotografie.~Jerry Ghionis

Nachdem meine Frau bereits seit 03:00 Uhr wach war und ich auch eher durchwachsen schlief, begaben wir uns am frühen Morgen an die frische Luft. Das Coliseum hatten wir ja bereits gestern besucht und so standen heute Downtown und Hollywood auf dem Programm. Zunächst suchten wir uns zwei E-Scooter, mit denen wir zur nächsten Metro-Haltestelle fuhren. Von dort aus ging es für $1.75 pro Person ins Zentrum von Downtown.

Der erste und südlichste Programmpunkt war das Staples Center. Die Sonne brannte bereits vom Himmel und die Temperaturen waren fast schon unerträglich, als wir uns auf den Weg dorthin machten. Die Straßen waren erstaunlich leer und vor dem Staples Center war rein gar nichts los. Einige wenige Touristen machten Fotos von den aufgestellten Statuen, wie ich es auch tat, aber ansonsten sah man fast keine Menschen.

Anschließend kehrten wir auf dem Weg zum US Bank Tower erst einmal bei Denny’s ein, um zu frühstücken. Gestärkt vom wirklich sehr leckeren Frühstück konnte es weitergehen. Zunächst gingen wir jedoch am US Bank Tower vorbei, weil ich zum Pershing Square wollte, um von dort aus die Rückseite des Millenium Biltmore Hotels zu fotografieren. Eddie Murphy fuhr seinerzeit als Axel Foley in “Beverly Hills Cop” mit seinem schäbigen Auto hier vor und auch die Szene, als er den observierenden Cops eine Banane in den Auspuff drückte, wurde hier gedreht. Als die Fotos im Kasten waren, kehrten wir um und gingen zum US Bank Tower.

$50 Dollar ärmer und wenige Minuten später standen wir im Aufzug nach oben, um OUE Skyspace zu besuchen, die Aussichtsetage des Gebäudes. Die zusätzlichen 8 Dollar für den Skyslide, bei dem man auf einer Filzmatte eine Glasrutsche außerhalb des Gebäudes eine Etage herunterrutscht, sparten wir uns. Wir machten etliche Fotos, mussten aber feststellen, dass der Ausblick bei weitem nicht so beeindruckend ist wie vom Rockefeller Center in New York City.

Als wir wieder auf der Straße angekommen waren, gingen wir zum Angel’s Flight, der ehemals kürzesten Standseilbahn der Welt. Spektakulär? Nö, aber ganz nett anzuschauen. Viel interessanter hingegen war der exakt gegenüberliegende Grand Central Market. Hier spazierten wir ein wenig durch die Gänge und ließen uns von den verschiedenen Gerüchen und Ständen beeindrucken, denn im Grand Central Market reiht sich ein Lebensmittelstand an den anderen. Links gibt es asiatische Küche, rechts davon deutsche Currywurst und hinter einem indisches Essen. Sehr schön und absolut einen Besuch wert!

Wir verließen den Grand Central Market und orientierten uns weiter nach Norden, denn ich wollte noch ein paar Fotos der Walt Disney Concert Hall machen. Als die erste metallene Außenhaut der Konzerthalle installiert wurde, war sie durch die Sonneneinstrahlung so heiß und hat diese reflektiert, dass der Belag auf den Gehwegen geschmolzen ist. So zumindest war es in einem Fun Fact beim Besuch des OUE Skyspace zu lesen.

Zwei Blocks südlich der Concert Hall befand sich die nächstgelegene Haltestelle der Metro, die wir ansteuerten, um nach Hollywood zu fahren. Die Temperaturen waren mittlerweile weiter gestiegen, weshalb uns die zahlreichen Kilometer, die wir bereits zurückgelegt hatten, dann doch ein wenig zu schaffen machten. Zudem gab es einen kleinen Höhenunterschied von Straßenblock zu Straßenblock zu überwinden und der Rucksack auf dem Rücken wurde auch nicht leichter. Nicht gerade zuträglich für die persönliche Verfassung war der eklatante Temperaturunterschied zwischen extrem klimatisierten Innenräumen und der frischen Luft. Ich persönlich fand es in den klimatisierten Räumen wesentlich angenehmer, während es bei meiner Frau genau andersrum war.

Moment! Hatte ich eben “frische Luft” geschrieben? Frisch konnte man die Luft hier in L. A. nun wirklich stellenweise nicht nennen. Uns fiel auf, dass es hier an sehr vielen Häuserecken nach Urin riecht (und zwischendurch immer mal wieder nach Marihuana) – also eine Wohltat für die Sinne!

Darüber hinaus fielen uns die etlichen Obdachlosen in Downtown auf. Hier schien es mehr davon zu geben als anderswo. Und schon waren wir im Untergrund verschwunden und saßen in der Bahn nach Hollywood, dem touristischen Zentrum der Stadt.

Anschließend suchten wir uns zwei E-Scooter und fuhren zum Hotel zurück. Das waren also die Tage in Los Angeles. Vorher konnte man überall lesen und hören, dass die Stadt ein Moloch sei. Viel zu groß und unüberschaubar. Jetzt hatten wir eigene Erfahrungen gemacht und die deckten sich (erstaunlicherweise) mit denen, von denen man vorher gehört hatte. Los Angeles mag der Inbegriff des kalifornischen Lifestyles sein, aber es ist in der Tat so unfassbar groß, dass man gar nicht alle Facetten in so kurzer Zeit anschauen bzw. auf sich wirken lassen kann. Wahrscheinlich muss man zwei Wochen hier sein, um alles zu sehen und sich ein wirklich fundiertes Urteil erlauben zu können. In lediglich zwei Tagen war es nur die Aneinanderreihung von Fotospots garniert mit einigen touristischen Highlights oder dem, was man gemeinhin dafür hält.

Mein Highlight in den zwei Tagen war mit Sicherheit das Los Angeles Memorial Coliseum, wobei wir ja relativ wenig davon gesehen haben. Aber ich erinnerte mich noch genau an die Spiele von 1984, an die Eröffnungsfeier und den Mann mit dem Raketenrucksack, als wir vor dem Stadion standen. Wahrscheinlich war hier die Erinnerung das Schöne. Meine Frau konnte trotz reiflicher Überlegung kein wirkliches Highlight nennen.

Übrigens weiß ich jetzt auch, wie man die Autobahnen hier beschreiben kann. Wer sich an „Gummitwist“ erinnert, der weiß es schon: Alles hängt zusammen, niemand blickt sofort durch, aber trotzdem geht’s nachher auf.

Fotowert: 5 out of 5 stars (5 / 5)

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