Prag im Mai 2018

Bei den Leuten muß es klick machen, nicht in der Kamera.~Alfred Eisenstaedt

Der jährliche Tagestrip ging 2018 nach Prag, nachdem wir (d. h. eine Kollegin und deren Mann) im Jahr 2017 in London und 2016 in Paris waren. In Prag war noch niemand von uns, so daß wir alle drei im Vorfeld sehr gespannt waren.

Eurowings flog uns am frühen Morgen von Düsseldorf aus in die tschechische Hauptstadt. Das hieß für mich, daß die Nacht bereits um 04.15 Uhr zu Ende war. Mit knapp acht Kilo Fotogepäck auf dem Rücken und überhaupt nicht ausgeschlafen konnte und mußte der Tag starten. Eine knappe Stunde später standen wir schon an der Sicherheitskontrolle und warteten anschließend auf den pünktlichen Flieger. Die Wettervorhersage der Wetter-App des iPhones verhieß für den Tag nichts Gutes. Demnach sollte es mit 60%iger Wahrscheinlichkeit regnen und die Temperaturen sich so um die 12 Grad Celsius bewegen. Auf wetter.de waren jedoch ganz andere Wetterverhältnisse prognostiziert. Hier sprach man von 18 Grad und einer Regenwahrscheinlichkeit von max. ca. 20 Prozent. Ich glaubte von vornherein eher an wetter.de und entschied mich dementsprechend für eine kurze Hose, nahm zur Sicherheit aber eine leicht verstaubare Regenjacke mit.

Als wir in Prag gelandet waren, konnte man den Regen bereits durch die Fenster sehen. Der Boden war naß und der Himmel grau. Gut, es war noch früh am Tag, so daß durchaus Hoffnung auf Besserung bestand. Wir verließen den Flughafen und fuhren mit dem direkt vor dem Terminal haltenden Bus der Linie 119 in Richtung Straßenbahnhaltestelle Nádrazi Veleslavin, wo wir in die Linie A umstiegen und die letzten Kilometer bis zur Haltestelle Malostranská bewältigten, von wo aus die Prager Burg gut zu erreichen ist. Die gesamte Fahrzeit bis hierhin betrug exakt dreißig Minuten.

Zu Hause hatten wir uns einen groben Plan gemacht, was wir uns alles angucken wollten. Dazu zählten die Prager Burg, die Deutsche Botschaft, die John-Lennon-Mauer, die Karlsbrücke und der Wenzelsplatz. Das Tagesprogramm sollte nicht so überfrachtet sein, so daß es ausreichend Zeit für Fotos gab. Mitsamt einiger weiterer Highlights hatte ich das als eine Art „Roadmap“ ausdrucken und binden lassen. Wir waren also vor Ort einigermaßen unabhängig und nicht ans Internet oder irgendwelche Akkukapazitäten gebunden.

Als wir die Haltestelle Malostranská verließen, standen wir erst einmal im regnerischen Prag und fanden kein Hinweisschild, was uns den Weg zur Prager Burg gewiesen hätte. Nach einiger Orientierung war die Richtung klar und wir machten uns an den Aufstieg. In einigen Reiseführern war die Rede davon, daß man ca. zwanzig Minuten dafür benötige. Uns gelang das aber wesentlich schneller, obwohl es doch ein klein wenig anstrengend war. Nach einer Taschenkontrolle waren wir auf dem Areal angekommen. Es regnete mittlerweile wieder etwas heftiger, so daß wir erst einmal einen Torbogen suchten, um uns unterzustellen. Dort packte ich auch das erste Mal meine DSLR aus, um ein paar Fotos zu machen. Um es vorwegzunehmen: Beim nächsten Torbogen verschwand sie jedoch wieder im Rucksack, den ich anschließend unter dem Regenschutz verbarg, denn der Regen wurde immer stärker. Die weiteren Fotos mußten erstmal mit dem iPhone gemacht werden.

Am Ticketcounter kauften wir uns ein Ticket inkl. Fotoerlaubnis für den Veitsdom, das Goldene Gäßchen und noch irgendwas, von dem ich schon wieder vergessen hab, wie es hieß. Nach Verlassen der Verkaufsräumlichkeiten standen wir unmittelbar vor dem Veitsdom und blickten nur noch auf Regenschirme und –mäntel. Wir entschieden uns dazu, den Veitsdom erst einmal Veitsdom sein zu lassen und gingen zur zweiten Sehenswürdigkeit – einer kleinen Kapelle, die wirklich nett anzuschauen war. Hier gelangte man auch ohne Warteschlagen ins Innere.

Nachdem wir wieder draußen waren, gingen wir zum Goldenen Gäßchen und schauten uns die kleinen Häuschen dort an. Hier war trotz des Regens doch einiges los und das iPhone war mittlerweile so naß, daß es meinen Fingerabdruck nicht mehr erkannte. Das Fotografieren wurde immer mehr zur Qual denn zur Freude. Also verschwand das Smartphone ebenfalls in der Tasche. Auf dem weiteren Weg kamen wir wieder an dem Torbogen an, wo wir bereits einmal unterstanden. Hier stand eine asiatische Reisegruppe, denen es augenscheinlich vollkommen egal war, daß sich hier noch andere Leute aufhielten. Die Regenschirme knallten einem von allen Seiten nur so gegen den Kopf. Die bereits latent vorhandene Aggression wuchs ein wenig. Wir mußten also hier weg und entschieden uns für den zweiten Anlauf beim Veitsdom. Dort hatte sich die Situation aber immer noch nicht entspannt. Somit hatten wir also den wohl größten Programmpunkt, für den wir Eintritt gezahlt hatten, gar nicht gesehen, denn wir verließen das Gelände der Prager Burg in Richtung Westen. Der Abstieg in Richtung deutscher Botschaft stand an.

Mittlerweile hatte der Regen auch ein wenig nachgelassen, so daß wir guter Hoffnung waren. Auf dem Platz vor der deutschen Botschaft mußte ich mir erst einmal vergegenwärtigen, was mich an so geschichtsträchtigen Orten immer fasziniert: Was sich hier vor 28,5 Jahren zugetragen hat und Tausende Schicksale bestimmte. Mit welcher Verzweiflung die Menschen den Weg aus der DDR nach Prag auf sich nahmen – den Weg in eine ungewisse Zukunft. Dabei riskierten sie buchstäblich alles. Entweder ließen sie ihre Habseligkeiten und Verwandten in der DDR zurück oder aber sie wurden vorher gefaßt und kamen in ihrem Staat dafür ins Gefängnis, daß sie doch nur frei und besser leben wollten. Als wir einige Fotos auf dem Vorplatz gemacht hatten, gingen wir ein paar Meter nach Westen, um über einen Waldweg an die Rückseite zu gelangen, von wo aus man den Balkon sehen kann, von dem aus Hans-Dietrich Genscher seinerzeit die für die Flüchtlinge erlösenden Wort sprach, daß deren Ausreise möglich war. Der matschige Weg ist allerdings eine Sackgasse, so daß man auf gleichem Weg umkehren muß.

Von der deutschen Botschaft ging es dann vorbei an der amerikanischen Botschaft, wo mehrere Schilder darauf hinweisen, daß es verboten ist, Fotos zu machen, zur John-Lennon-Mauer. Hier trafen wir auf eine unzählige Masse von Touristen, die sich diese Mauer voller Graffiti anschauten. Wir machten ein paar Fotos und weiter ging es in Richtung Palais Liechtenstein. Dort wurden etliche Szenen für den 1996 erschienenen Film “Mission: Impossible” mit Tom Cruise gedreht. Das Gebäude an der Moldau stellte die amerikanische Botschaft dar. Entlang des Flußufers, wo im Film Sarah Davies, die Kollegin Ethan Hunt, und Alexander Golitsyn umgebracht werden (Wer den Film gesehen hat, wird sich daran erinnern.), gingen wir zur Karlsbrücke. Auch hier wurden einige Szenen des Films gedreht (u. a. das explodierende Auto auf dem Parkplatz).

Auf der Karlsbrücke überquerten wir die Moldau und wollten zum Rudolfinum, um dort ein paar Aufnahmen vom doch sehr schönen Gebäude zu machen. Als wir diese im Kasten hatten, marschierten wir zur Municipal Library of Prague. Dort wurde im Innern ein Turm aus Büchern aufgebaut, der ein beeindrucksvolles Fotomotiv abgibt. Es hatte aufgehört zu regnen und wir freuten uns auf besseres Wetter. Doch die Freude sollte nicht allzu lange anhalten, denn als wir uns grob in Richtung Altstädter Ring orientierten, fing es wieder an zu regnen. Mittlerweile wurden wir hungrig und die Blase drückte auch, so daß wir uns entschlossen, im Hard Rock Café zu essen. Wir wurden sehr freundlich bedient und gestärkt verließen wir das Lokal, um vor der Tür festzustellen, daß der Regen noch stärker geworden war. Wir flitzten auf die gegenüberliegende Straßenseite und stellten uns dort unter. Hier verbrachten wir auch die nächste halbe Stunde, weil der Regen nicht weniger wurde. Als es dann doch soweit war, daß man nicht mehr klatschnaß wurde, gingen wir weiter zum Altstädter Ring, wo übrigens auch mit Tom Cruise gedreht wurde.

Wir ließen uns ein wenig durch die Menschenmenge und den großen Platz treiben, bevor wir ihn wieder in Richtung Wenzelsplatz verließen. Nach einigen Fotos überlegten wir, wie wir die verbleibende Zeit nutzen könnten. Wir entschieden uns für die bewegliche Franz-Kafka-Büste, die fußläufig gut zu erreichen war. Und im nachhinein war das ein beeindruckender Spot. Hier wird das Gesicht Kafkas in elf Metern Größe aus 42 beweglichen Elementen dargestellt. Das Ding wiegt sage und schreibe 39 Tonnen!

Als wir unsere Bilder gemacht hatten, wurde der Regen wieder stärker. Gott sei Dank steht die Statue direkt neben dem neuen Einkaufszentrum Quadrio, so daß wir uns ins Trockene begeben konnten. Die Frustration hatte zwar ihre Grenze so langsam erreicht, aber gegen das Wetter ist man eben machtlos. Nachdem wir eine knappe halbe Stunde in einigen Geschäften zubrachten (Ich nutzte die Gelegenheit, um mir im “dm” für 2 Euro ein paar Lappen zu kaufen, damit meine Kamera gegen die Feuchtigkeit gewappnet war.), standen wir schon wieder unter einem Vordach, weil es immer noch wie aus Kübeln regnete. Die Überlegungen gingen in verschiedene Richtungen. So war der auf der anderen Straßenseite liegende Starbucks eine Option. Wir entschieden uns aber aufgrund der Tatsache, daß sich das Einkaufszentrum oberhalb der Metrostation Národní befindet, zum tanzenden Haus zu fahren. Der Regen hatte ein klein wenig nachgelassen, so daß wir zumindest ein paar Fotos machen konnten.

Nachdem das erledigt war, gingen wir entlang der Moldau nach Norden und das Wetter wurde tatsächlich besser. Wir entdeckten auf unserem Weg einen schön gelegenen kleinen Biergarten direkt am Ufer der Moldau, der allerdings noch geschlossen war. Trotzdem konnte man vom Ufer einen schönen Blick auf die Karlsbrücke einfangen. Bis dahin wollten wir noch gehen und dann die Fahrt zum Flughafen antreten. Die Fahrt aus der Innenstadt zum Flughafen gestaltete sich genauso unkompliziert wie am Morgen und wir trafen mehr als rechtzeitig dort ein. Die verbleibende Zeit nutzten wir, um ein Getränk zu konsumieren und den Tag Revue passieren zu lassen. Wir ließen also alles nochmal “Paroli laufen”, wie Horst Hrubesch das mal ausdrückte. Mit ein klein wenig Verspätung kamen wir in Düsseldorf an und fuhren nach einem anstrengenden Tag nach Hause.

Wie sah das Fazit aus? Prag ist eine wunderschöne Stadt, aber der Regen hat zumindest mir doch ein wenig die Laune verdorben. Hätte es nur ein Stündchen so geschüttet, dann hätte man das locker wegstecken können, aber eigentlich wurden wir bis auf die letzte Stunde den ganzen Tag naß, so daß dann auch etliche Fotos nicht gemacht werden konnten. Und die, die wir knipsten, zeigten grauen Himmel und irgendwie alle einen Grauschleier. Die Zufriedenheit darüber hielt sich verständlicherweise sehr in Grenzen. Aber Prag ist in jedem Fall eine Reise wert!

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*