Brüssel im Dezember 2022

Wenn Sie die ganze Vielfalt, die Ihnen eine Location bietet, nutzen wollen, müssen Sie mehrmals wiederkommen.~Frank Leavesley

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Kurz bevor das Jahr zu Ende ging, war noch ein Städtetrip fällig. Geplant hatten wir von vornherein eine Übernachtung, konnten uns in der Planung jedoch zunächst auf kein Ziel einigen, bevor wir uns für Brüssel entschieden.

245,40 Euro bezahlten wir für die Zugtickets mit der Deutschen Bahn von Köln nach Brüssel, pro Person 81,80 Euro. Mit dem Thalys wäre es deutlich teurer geworden. Beim Hotel entschieden wir uns für das Motel One, weil ich damit bislang stets gute Erfahrungen gemacht hatte (u. a. in Berlin im März, in Leipzig im Juni und in Bremen im Juli 2022). Ein Frühstück buchten wir ebenfalls noch dazu, was ich bislang jedoch nie gemacht hatte. Das Hotel kostete uns 226,98 Euro (pro Nase also 75,66 Euro). In der Summe lagen wir insgesamt im Vorfeld bei 157,46 Euro – für zwei Tage doch ein angenehmer Preis.

Der Zeitpunkt des Trips wurde durch den Spielplan der Fußball-WM bestimmt, weshalb wir uns für 16./17.12. entschieden, denn an diesen Tagen fand nur das Spiel um Platz 3 statt. Dass ausgerechnet Marokko dieses Spiel würde bestreiten dürfen, wurde uns erst so recht in der Woche vorher klar und Gewißheit hatten wir dann dienstags, nachdem Frankreich die Marokkaner im Halbfinale besiegt hatte. Nun war es bislang bei eigentlich jedem Spiel der Marokkaner so, dass es heftige Ausschreitungen vor allem in Brüssel und Paris gab. Unsere Rückfahrt sollte 45 Minuten nach Spielende stattfinden und die Straße, auf der die Marokkaner sich bis dato immer teils heftige Straßenschlachten mit der Polizei lieferte, liegt direkt nördlich des Bahnhofs und damit genau auf unserem Weg zum Zug. Herrliche Aussichten!

Ich könnte jetzt mit einem uneingeschränkten Lob für die Deutsche Bahn beginnen, denn sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückfahrt fuhren die Züge pünktlich ab und kamen pünktlich an. Trotzdem ist es nur der Konjunktiv, denn ganz ohne Probleme geht es ja bei der Firma nie! Ich wollte eine knappe Stunde vor Abfahrt eine S-Bahn zum Hauptbahnhof nehmen und hatte einen kleinen Puffer eingebaut, falls es Verspätung geben sollte. Sie hatte aber keine Verspätung, sondern fiel gleich ganz aus. Wer jetzt so denkt, wie ich es tat (“Dann nehme ich halt die nächste S-Bahn!”), hat die Rechnung allerdings ohne die Deutsche Bahn gemacht, denn die nächste S-Bahn fiel ebenfalls aus. Ist nicht ganz so problematisch, denn zwischendrin fährt mit Sicherheit auch noch ein RE. Dem war auch so – Gott sei Dank, weil der RE zuvor ebenfalls ausfiel! Aber dafür hatte ich ja extra ein wenig Zeit einkalkuliert. Gut so!

Freitag, 16.12.2022

Nachdem ich am Hauptbahnhof gefrühstückt hatte, wurde die Reisegruppe zusammengeführt und begab sich zum Gleis. Nach der problemlosen Anreise kamen wir pünktlich in Brüssel-Midi an. Von dort aus liefen wir knapp neun Minuten zum Hotel, stellten dann aber nach neun Minuten fest, dass wir doch länger laufen. Das kommt übrigens davon, wenn man in Google Maps den falschen Bahnhof als Start auswählt (Ich war’s nicht!). 😉 Noch in Bahnhofsnähe vernahmen wir zweimal einen derart lauten Knall, wie ich ihn noch nie zuvor gehört hatte. Mein erster Gedanke war die Explosion 2016 in Paris, aber irgendwie schien niemand um uns herum sonderlich irritiert oder hektisch zu sein. Uns kamen Demonstranten in grünen, blauen und roten Jacken entgegen, was nach organisierter Gewerkschaft aussah. Die Abkürzungen auf den Transparenten und Jacken sagten uns selbstverständlich nichts. Im Motel One hinterließen wir unsere Personalien und ließen ein Gepäckstück dort, bevor es gleich wieder losging. Aufgrund der frühen Dunkelheit durften wir nicht lange trödeln, denn zur blauen Stunde wollten wir am Atomium sein, das relativ weit im Norden der Stadt steht. Also machten wir uns auf zur nächsten Metro-Haltestelle hinter dem königlichen Palast, den wir dabei in unsere Route einbauten.

königlicher Palast

Als wir an der Haltestelle ankamen, wunderte ich mich über ein rotes Lämpchen am Metro-Schild und scherzte noch, dass die Station bestimmt geschlossen sei. Und exakt so war es auch. Ein Gitter versperrte uns den Zugang. Aufgrund einer Laufschrift bekamen wir auch relativ schnell raus, warum diese Station geschlossen war und wußten auch gleich, welche Art Demonstranten uns die ganze Zeit entgegenkamen: Der öffentliche Nahverkehr streikte! Bis zum Atomium waren es von unserem Standpunkt aus knapp sechs Kilometer. Zu Fuß dann doch ein wenig zu weit. Für den E-Scooter waren die Temperaturen auch zu kalt. Wir überlegten, diskutierten und entschieden uns dann, das Atomium wohl oder übel erst am Samstag in Angriff zu nehmen.

Leicht frustriert gingen wir wieder am königlichen Palast vorbei und schauten nach einem Ersatzprogramm für die blaue Stunde. Dies fanden wir dann am Mont des Arts. Durch die entfallene Bahnfahrt hatten wir jetzt auf einmal noch massig Zeit übrig, die wir dafür nutzten, um ins Stadtzentrum zu gehen. Wir klapperten (eher uninspiriert – zumindest ich) von Jeanneke Pis, Manneken Pis, Grand-Place die ein oder andere Sehenswürdigkeit ab. Unterwegs genossen wir ein Heißgetränk, an dem ich mir so die Zunge verbrannte, dass ich abends nichts mehr richtig schmeckte. Eine belgische Waffel verschwand ebenfalls im Magen, lediglich auf die Pommes verzichteten wir aufgrund einer viel zu großen Warteschlange. BTW: Auf die Waffel hätte man auch verzichten können. Selbstgemacht schmecken sie wesentlich besser. Was ich nämlich nicht gedacht hätte: Die Waffeln werden nicht frisch zubereitet, sondern sind schon lange fertig. Sie werden nur noch mal ins Waffeleisen gepackt und erwärmt.

Bislang hatte Brüssel also noch keinen wirklich guten Eindruck bei mir hinterlassen, so dass die Erwartungen an die blaue Stunde nicht sonderlich groß waren, was wohl auch besser so war. Als wir am Mont des Arts ankamen, setzten wir uns noch für eine Weile in ein Café (oder Bistro?) und die nächste belgische Spezialität mußte gekostet werden: Bier. Anschließend packten wir uns dick ein und bauten am Kunstberg unsere Stative auf, warteten geduldig auf den Sonnenuntergang und als die blaue Stunde zu Ende war, gingen wir zunächst ein kurzes Stück Richtung Südosten zum Place Royale, wo ich die Eglise Saint-Jacques-sur-Coudenberg ablichten wollte. Leider war das Gebäude weder angestrahlt oder von innen beleuchtet. Ob das immer so ist oder die Energiekrise dafür gesorgt hat, habe ich nicht recherchiert. Dementsprechend waren die Fotos auch eher nichtssagend. Da es von dort aus nicht weit zum königlichen Palast ist, gingen wir auch noch dorthin und machten ein paar Fotos vom großen Tannenbaum vor dem Gebäude, ehe wir alles einpackten. Während der Wartezeit hatte ich recherchiert, dass es nicht weit entfernt einen gut aussehenden Burger-Laden gab, den wir ansteuern wollten. Zufälligerweise hieß der Laden “Berlin Fabrik“. Die Burger hatten alle Berliner Namen. Ich entschied mich für “Brandenburger Tor”, was die Bedienung allerdings nicht so richtig aussprechen konnte. Als das Essen kam, stand das wirkliche erste Highlight des Trips vor mir: Der Burger war sensationell lecker und die Pommes ein Traum!!!

Rathaus vom Mont des Arts aufgenommen

Samstag, 17.12.2022

Beim sehr guten (!) Frühstück ging es um eine effiziente Planung des Tages. Ein Gepäckstück mußte wieder im Hotel bleiben und sollte am Nachmittag abgeholt werden. Das Atomium war neben der Rückreise der Fixpunkt und bei allem anderen waren wir flexibel. Wir entschieden uns für einen Spaziergang vom Hotel entlang des königlichen Parks durch’s Europaviertel zum Jubelpark, von wo aus wir dann mit der Metro Richtung Atomium fuhren. Als wir vor dem Ticketautomaten standen, sprach uns jemand an, dass wir keine Tickets kaufen müßten, weil der ÖPNV heute aufgrund der Luftverschmutzung kostenlos sei. Sollten wir das glauben? Die Schranken in der Metro-Station waren jedenfalls alle geöffnet. Auf dem Bahnsteig konnten wir dann auch der Anzeige entnehmen, dass die Aussage so stimmte. Vielen Dank an den netten Unbekannten für den Hinweis! (Nebenbei bemerkt: Ein Tagesticket hätte uns pro Person acht Euro gekostet.)

Und der Jubelpark wußte durchaus zu gefallen. Ich fühlte mich ein wenig an den ein oder anderen Trip nach New York City erinnert, als ich die doch recht vielen Jogger sah, die teilweise Hunde oder Kinderwagen dabei hatten. Die vorherrschende Kälte konnte man förmlich sehen und auf den Bildern kommt sie auch richtig schön zur Geltung.

Triumphbogen im Jubelpark

Als wir an der Endhaltestelle der Linie 6 angekommen waren, gingen wir zunächst am Stade Roi-Baudouin vorbei, dem ehemaligen Heysel-Stadion, in dem sich 1985 vor dem Europapokalendspiel der Landesmeister zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool eine Katastrophe ereignete, bei der 39 Menschen den Tod fanden. Leider ist das gesamte Areal umzäunt und man hat keine Möglichkeit, nahe an das Stadion heranzukommen.

Stade Roi-Baudouin

Zwischen dem Stadion und dem Atomium befindet das Mini-Europe, dem wir ebenfalls einen Besuch abstatteten, bevor es dann zum Atomium ging.

Atomium

Nachdem wir alle Fotos im Kasten hatten, gingen wir zur nächsten Haltestelle (für die Benutzung von E-Scootern war es bei -7 Grad nochmal deutlich kälter als gestern). Wir hielten uns die Option offen, unterwegs an der Haltestelle “Simonis” auszusteigen, weil wir auch die Basilique Nationale du Sacré-Cœur à Koekelberg auf unserer Agenda hatten. Das hätte jedoch einen Fußweg von mindestens 15 Minuten von der Haltestelle aus bedeutet. Inkl. des Rückwegs und der Zeit, die man bei der Kirche mit Fotografieren verbracht hätte, wäre das eine knappe Stunde gewesen. Und wir wollten ja vor Spielende des Spiels um Platz 3 am Bahnhof sein. Daher entschieden wir uns während der Fahrt dagegen und fuhren einmal quer durch die Stadt und stiegen nördlich des Hotels aus. Im Hotel tranken wir an der Bar noch ein Stella Artois und gingen dann auf Shopping Tour durch die Innenstadt. Hier kannten wir uns ja quasi schon aus, weil wir am Tag zuvor schon alles ausgekundschaftet hatten.

Schokoladengeschäft

Die Innenstadt war rappelvoll, was für den letzten Samstag vor Weihnachten jetzt kein allzu großes Wunder war. Wir sahen sehr viel Polizei und als wir uns dann auf den Fußweg Richtung Bahnhof machten, wurde es immer mehr. Wir mußten einfach geradeaus gehen und stellten dabei irgendwann fest, dass die Geschäfte auf einmal arabische Namen trugen und auch so aussahen. Man hörte derartige Klänge und eines der Worte, welches ich noch lesen konnte, war “Couscous”. Im Vorbeigehen blickte ich in das ein oder andere Lokal und sah überall das gleiche Bild: Vor einem Fernseher oder einer Leinwand saßen in einem gut gefüllten Raum vornehmlich Männer südländischen Aussehens. Wir liefen also geradewegs durch das marokkanische Viertel!

Wir waren vor Spielende am Bahnhof, haben dort noch eine Kleinigkeit gegessen (Jeder hatte aber leider an seinem Essen etwas auszusetzen! Mein Essen war beispielsweise kalt, die Pommes fast roh usw.) und saßen dann pünktlich im ICE, der uns zurück nach Hause gebracht hat.

Fazit

Tja… Was halte ich nun von Brüssel? Die Frage haben wir uns schon während des Aufenthaltes gestellt. Im Vergleich zu unseren bisherigen Trips, von denen ich Mailand und Frankfurt am Main wohl am schönsten fand (wobei London und Paris auch sehr schön waren), rangiert Brüssel definitiv ganz weit hinten. Die Stadt hat zwar schöne Gebäude, aber irgendwie hat sie mich nicht richtig gepackt. Ein ähnliches Gefühl hatte ich auch bei meinem Dresden-Trip im Juli 2018, als es den ganzen Sommer in Deutschland über 30 Grad war, nur an einem einzigen Tag waren es um die 10 Grad und es schüttete – der Tag, an dem ich in Sachsen war.

Und jetzt in Brüssel war es in gewisser Weise ähnlich. Die ganzen Begleitumstände trugen nicht unbedingt dazu bei, die Stadt lieben gelernt zu haben. Wäre es anders gewesen, wenn es nicht so kalt gewesen wäre? Oder wenn der ÖPNV nicht am ersten Tag gestreikt hätte und man den eigentlich geplanten Shot des Atomiums zur blauen Stunde hätte machen können? Wirklich schwer zu sagen! Ich denke aber nicht, dass Brüssel sich in meinem Ranking dann nach vorne hätte schieben können.

Ein weiterer Indikator für mich ist die Anzahl der Fotos, die ich während des Aufenthalts gemacht habe. Und zudem habe ich die meisten Fotos “nur” mit meinem iPhone aufgenommen – weil ich ganz einfach überhaupt keine Lust hatte, den Kamerarucksack abzusetzen und die große Kamera zu benutzen. Mir war also in Brüssel schon klar, dass ich kaum Fotos würde bearbeiten müssen bzw. dürfen und ich scherzte schon, dass ich die Kamera auch hätte zu Hause lassen können. Bequemer wäre es auf jeden Fall gewesen.

Nee, Brüssel war (leider) nix!!!

mein Video aus Brüssel


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